Übernahmespekulationen im Telekomsektor zum Jahresende

Im Telekomsektor beherrschen seit einigen Wochen Übernahmespekulationen die Schlagzeilen. Vor allem das Übernahmeangebot des Finanzinvestors KKR für Telecom Italia in Höhe von 10,8 Mrd. Euro ließ aufhorchen und hat dafür gesorgt, dass auch an anderer Stelle die Übernahmespekulationen wieder Fahrt aufgenommen haben. KKR ist mit 37,5% an Fibercop zusammen mit Telecom Italia (TIM; 58%) beteiligt. Aufgabe von Fibercop ist der Ausbau des superschnellen Glasfasernetzes in Italien. Der italienische Staat will den Glasfasernetzausbau im Land forcieren und überlegt dazu, Fibercorp mit der mehrheitlich in staatlichem Besitz befindlichen Openfiber zu fusionieren. Dieser Plan scheint KKR, die dadurch an Einfluss verlören, wenig zu gefallen, was den Finanzinvestor nun veranlasst hat, ein Angebot für die komplette Telecom Italia zu unterbreiten. Damit will KKR auch eine Ausgliederung des TIM-Netzwerkes verhindern, die vor allem nach zwei Gewinnwarnungen in nur drei Monaten bei TIM immer wieder im Raum stand. TIM-Großaktionär Vivendi scheint hingegen inzwischen den Schulterschluss mit dem italienischen Staat zu suchen und ist offen für eine staatliche Kontrolle des TIM-Netzwerks.

 

Das KKR-Angebot wirkte aber auch als Katalysator für weitere Übernahmespekulationen im Sektor. So erinnerte man sich am Markt daran, dass im Sommer bei BT Group mit Unternehmen Altice des französisch-israelischen Investors Patrick Drahi ein als besonders aggressiv geltender Branchenvertreter aus dem Non-Investmentgrade mit 12,1% eingestiegen ist. Dabei hatte Altice betont, dass man keine Übernahmeabsichten verfolge, sondern sich vielmehr an BTs Ausbau des gigabitfähigen Breitbandnetzes in Großbritannien beteiligen will. BT hat sich dennoch gewappnet und bereitet sich mit Hilfe der Investmentboutique Robey Washaw auf einen ungewünschten Übernahmeversuch vor. Mit dem 11. Dezember läuft nämlich die Frist nach den britischen Übernahmevorschriften ab, die Patrick Drahi bisher daran gehindert hat, seine Beteiligung zu erhöhen. Wie das ganze ausgehen wird, ist schwierig vorherzusagen. Eine Übernahme von BT Group wird angesichts des hohen Pensionsdefizits nicht ganz einfach. Und dann ist da noch der zweite BT-Großaktionär, die Deutsche Telekom (12,06%). Auf Bloomberg wurde CEO Höttges zitiert, dass er sich in diesem Fall als möglichen Königsmacher sieht.

 

Angesichts tendenziell hoher Verschuldung und weiterhin hoher Investitionserfordernisse im Telekomsektor neigen die Telekomkonzerne zu Ausgliederungen ihrer passiven Infrastruktur. M&A und Konsolidierungen werden den Telekomsektor dementsprechend auch 2022 auf Trab halten.

 

Christian Albrecht


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Wolfgang Krischker

10.12.2021 um 21:15

Interessanter Beitrag!

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