Südafrika: Wirtschaftliche Erholung steht auf der Kippe

Die Wirtschaftsleistung Südafrikas ist im dritten Quartal um 1,5% gegenüber dem Vorquartal geschrumpft, das zeigen die jüngst veröffentlichten Zahlen. Dies und der trübe Ausblick für die kommenden Quartale bestätigen, dass die kräftige Konjunktur in der ersten Jahreshälfte nur ein „Strohfeuer“ war. Nach einem Wachstum von 4,5% in diesem Jahr ist 2022 nur mit einem Plus von rund 2% zu rechnen.

Der Rückgang des BIP’s in Q3 fiel etwas stärker aus als erwartet. Im Juli hatten schwere Krawalle die Wirtschaft in großen Teilen des Landes lahmgelegt. Hinzu kamen dann im August wieder verschärfte Corona-Beschränkungen, da die Zahl der Neuinfektionen sichtbar anzog. Verantwortlich hierfür war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Omicron-Variante, sondern eine niedrige Impfquote von nur 20%. Bei der Durchimpfung geht es weiter nur schleppend voran, auch jetzt haben erst 30% der Bevölkerung wenigstens eine erste Impfung erhalten. In diesem Umfeld können nicht nur leicht neue Virusvarianten entstehen, sondern das „Auf und Zu“ des öffentlichen Lebens und damit auch vor allem des Dienstleistungssektors bleiben ein Belastungsfaktor.

Dabei hat sich die Beschäftigungslage und auch die Einkommenssituation großer Teile der Bevölkerung bereits erheblich verschlechtert. Im Oktober kletterte die Arbeitslosenquote auf 35,5% - ein neues Rekordhoch. Werden auch die Personen berücksichtigt, die eigentlich arbeiten wollen, aber enttäuscht die Arbeitsplatzsuche aufgegeben haben, liegt die Quote sogar fast bei 50%. Mit der ausbleibenden Erholung beim Auslandstourismus könnte sich die bereits prekäre Lage sogar noch weiter zuspitzen.

Für den ANC, die seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 durchgängig regierende Partei, setzte sich bei dieser Beschäftigungslage wenig überraschend bei den letzten Kommunalwahlen der Abwärtstrend fort. Zur Bekämpfung der schon vor der Corona-Krise hohen Arbeitslosigkeit war der seit Februar 2018 amtierende Staatspräsident Ramaphosa als Reformer und Korruptionsbekämpfer angetreten. Tatsächlich kann er aber kaum Erfolge vorweisen. Die Stromversorgung ist für die Wirtschaft weiterhin ein großer Unsicherheitsfaktor, insgesamt ist die Infrastruktur nur unzureichend ausgebaut.

Bei dem angespannten konjunkturellen Umfeld lag die Inflation im September und Oktober bei 5%, der höchste Wert seit drei Jahren. Obwohl die Kernrate sichtbar niedriger notierte, entschloss sich die Notenbank im November zu einer leichten Zinserhöhung. Für die auf der Kippe stehende wirtschaftliche Erholung war dies keine gute Nachricht.

 

Dr. Christine Schäfer

 

 


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