Kein Aktienmarkt-Armageddon

Die Aktienmarkt-Volatilität der letzten Tage ist primär eine Reaktion auf die negative Nachrichtenlage und daher kein Indikator für einen bevorstehenden Konjunktureinbruch.

 

Große Schlagzeilen und Mutmaßungen haben Aktienanleger in den letzten Tagen erneut in den Bann gezogen, entsprechend hoch war und ist die Markt-Volatilität. Ähnlich wie schon Ende November entsteht die Verunsicherung durch Meldungen über eine Verschärfung der Corona-Krise, zeitgleich soll die Krisenunterstützung der großen Notenbanken eingeschränkt und die des US-amerikanisches Staats gar storniert werden. Ein großer Verfallstag am Terminmarkt verstärkte die Kursschwankungen zusätzlich. Insbesondere konjunktursensible Titel reagierten stark auf diese Ankündigungen, jedoch war und ist eine Sektor-übergreifende Zunahme der Risikoaversion zu beobachten, denn auch hochbewertete defensive Werte leiden im aktuellen Umfeld.

 

Die angesprochenen Risiken belasten primär die Stimmung und sollten allerdings differenziert betrachtet werden: (1) Corona belastet seit Anbeginn der Krise hauptsächlich die zyklischen Sektoren Autos und Kapitalgüter. Hier bestehen weiterhin unbestritten volle Auftragsbücher. Flaschenhals ist der Vorprodukte-Mangel, der sich im Jahresverlauf bessern sollte. (2) Das stornierte US-Fiskalpaket galt nie - vor allem nicht kurzfristig - als echter Wachstumstreiber und wird in unseren Prognosen daher nicht vermisst. (3) Obwohl die Inflationsbekämpfung auf Zentralbankart in der Regel ein echter Konjunkturdämpfer ist, stellen insbesondere die jüngsten Straffungsmaßnahmen der Fed eine netto konjunkturschonende Strategie dar. Der befürchtete Kosten- und Margendruck in der breiten US-Wirtschaft dürfte gelindert werden. Gleichzeitig attestiert die Fed ein grundlegend solides US-Wirtschafts­wachstum.

 

Vor diesem Hintergrund erachten wir die aktuelle Aktienmarktreaktion als übertrieben. Insbesondere mit der fortschreitenden Konkretisierung der globalen Geldpolitik verliert u. E. eines der seit Langem im Raum stehenden Konjunkturrisiken seinen Schrecken. Das Vertrauen der Aktienmarktteilnehmer sollte hierdurch mittelfristig zunehmen. Dies bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für unsere Aktienmarktprognose des anstehenden Jahres 2022, denn wir erwarten, dass auch die übrigen Konjunkturprobleme im Jahresverlauf immer mehr unter Kontrolle gebracht werden und damit der Wirtschaftserholung buchstäblich „freie Fahrt“ geben. Derzeit sehen wir zu viel Pessimismus in den Gewinnerwartungen enthalten. Dies bietet mittelfristig viel Raum für positive Überraschungen, kurzfristig wird dies jedoch für weitere Aktienmarktschwankungen sorgen.

 

 

Sven Streibel

 

 


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