Italien: Ratingupgrade auf Probe

Fitch hat der italienischen Regierung ein vorweihnachtliches Geschenk beschert – die erste Ratingheraufstufung seit dem Jahr 2002, die die Ratingagentur zugunsten des Landes ausgesprochen hat. Fitch begründet die Heraufstufung um eine Stufe auf BBB (stabil) vor allem mit dem zuletzt stärker als erwarteten Wirtschaftswachstum sowie den besseren wirtschaftlichen Wachstumsaussichten. Aber auch die finanziellen Zuflüsse im Rahmen des EU-Wiederaufbaufonds (NGEU) und die zwar hohe, aber niedriger als zuvor erwartete Neu- und Gesamtverschuldung in diesem und den kommenden Jahren gaben den Ausschlag. Italiens Wirtschaftsleistung werde voraussichtlich bereits im ersten Quartal 2022 das Niveau von vor Beginn der Corona-Pandemie erreichen.

Mit der am Freitag bekanntgegebenen Entscheidung revidiert Fitch die Herabstufung von BBB auf BBB-, die die Agentur zu Beginn der Corona-Krise mit Verweis auf die steigenden Risiken für Italien beschlossen hatte. Trotz der positiven Entwicklungen, die zu der Heraufstufung geführt haben, benennt Fitch unumwunden Risiken, die die Kreditwürdigkeit des Stiefelstaates zukünftig negativ beeinflussen könnten. Zum einen kritisiert Fitch, dass Italiens strukturelles Haushaltsdefizit im kommenden Jahr voraussichtlich auf 5,5% des BIP steigen werde. Italien profitiere zwar von den EU-Finanzmitteln, allerdings habe sich der Anreiz zu sparen dadurch verringert. Zum anderen benennt Fitch etwaige politische Risiken im Zusammenhang mit der Anfang kommenden Jahres anstehenden Präsidentschaftswahl. Die Agentur stimmt in den Chor derer ein, die ein Risiko für die Zukunft der Vielparteienkoalition sehen, sollte Ministerpräsident Draghi neuer Staatspräsident werden. Aus dem Grund schließt Fitch eine erneute Herabstufung des Ratings nicht aus, sollte sich Italiens Schuldenstandsquote nicht unter dem für Ende 2021 erwarteten Stand von 154% stabilisieren oder sich das Wachstumspotenzial doch wieder abschwächen. Insbesondere die Entwicklung der Gesamtverschuldung dürfte nicht nur vom Ausgabenverhalten Roms abhängen, auch steigende Refinanzierungskosten nach einem möglichen Ende des EZB-Anleihekaufprogramms PEPP stellen hier ein Risiko dar.
   
Die Märkte haben auf die Ratingüberraschung heute Morgen daher auch positiv, aber keineswegs euphorisch reagiert. Die Unsicherheit ob der anstehenden EZB-Entscheidung zur Zukunft von PEPP bleibt bis zur Ratssitzung am 16. Dezember ein marktbestimmendes Thema.

 

Daniel Lenz


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