Globale Stimmungseintrübung ereilt Bitcoin & Co.

Das Marktsegment der Kryptowährungen hat seinem Ruf, besonders volatil zu sein, zuletzt alle Ehre gemacht. Binnen weniger Minuten ging es für den Bitcoin-Kurs gegenüber dem US-Dollar rund 20% in die Tiefe. Verluste in ähnlicher Größenordnung musste Ether, die Nummer zwei unter Kryptowährungen, hinnehmen. Zumindest einen Teil der eingefahrenen Kurseinbußen konnten beide Vertreter im weiteren Handelsverlauf zwar wettmachen. Unter dem Strich verbleibt jedoch sowohl für den Bitcoin als auch Ether ein deutliches Minus gegenüber den Notierungen von Ende letzter Woche.

Mehrere Faktoren werden für die Kurseinbußen verantwortlich gemacht. Vor allem die globale Stimmungseintrübung aufgrund des Comebacks der Corona-Pandemie und der Omikron-Variante wird hierbei genannt. Letztere hat vergangene Woche über alle Finanzmarktsegmente hinweg für Verunsicherung gesorgt. Außerdem wird auf Belastungen für das Kryptowährungs-Segment vonseiten der US-Geldpolitik verwiesen. Vergangene Woche hatte Notenbankchef Powell signalisiert, dass er ein früheres Ende der Anleiheankäufe für angemessen erachte, und damit Spekulationen zugunsten einer ersten Leitzinserhöhung Mitte 2022 begünstigt. Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik begünstigt die Attraktivität traditioneller Währungen gegenüber Bitcoin & Co. Hinzu kommt, dass technische Faktoren die Abwärtsbewegung im Kryptowährungs-Segment verstärkt haben könnten. Hintergrund dieser Einschätzung sind Investoren, die mit Fremdkapital engagiert sind. So wird gemutmaßt, dass derartige spekulative Positionen aufgelöst wurden, um aufkommende Verluste zu begrenzen.    

Die Argumente klingen zwar auf den ersten Blick einleuchtend. Fraglich ist aber, wieso das Kryptowährungs-Segment deutlich später als andere Asset-Klassen auf die Omikron-Unsicherheit reagiert hat. Unklar ist zudem, wieso sich andere Finanzmarktsegmente von den Äußerungen Powells nicht nachhaltig beeindrucken ließen, Bitcoin & Co. aber schon.

Für Bitcoin-Kritiker dürften derartige Details keine Rolle spielen. Sie sollten sich einmal mehr in ihrer Auffassung bestätigt fühlen, dass Kryptowährungen keinen vertrauenswürdigen Vermögenswert darstellen. Die Kursentwicklung kümmerte diese Ansicht in den vergangenen Monaten herzlich wenig. Der jüngste Einbruch wird wahrscheinlich weder der Anfang vom Ende noch ein Grundstein für eine neue Rallye sein. Am ehesten noch ist damit zu rechnen, dass er als Erinnerung dient – eine Erinnerung daran, dass enorme Renditechancen in den meisten Fällen mit hohen Risiken einhergehen.

 

Sören Hettler


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