Einkaufsmanagerindizes in der EWU: Höhepunkt der Lieferengpässe erreicht?

Im Dezember hat sich die Stimmung der europäischen Einkaufsmanager eingetrübt. Der umfassende Composite-Index ging von 55,4 auf 53,5 Punkte etwas zurück. Dies lag an einer deutlichen Korrektur der Messzahl der Dienstleister, während der Index für das verarbeitende Gewerbe nur leicht nachgab. Hier wurde von einem geringeren Anstieg des Kostendrucks und einem Nachlassen der Lieferengpässe berichtet. Obwohl die Auftragseingänge nicht mehr ganz so stark ausfielen wie noch vor einigen Monaten, konnte die Produktion nach Angaben der Einkaufsmanager ausgeweitet werden.


Die Dienstleister bleiben angesichts der Pandemie und der möglichen Gefahren durch Omikron verständlicherweise skeptisch. Wenn wir aber etwas aus dem bisherigen Pandemieverlauf gelernt haben, dann ist nach dem Abflauen der Infektionszahlen wieder mit kräftigen Nachholeffekten zu rechnen. Auch die Meldungen, dass die Lieferkettenprobleme sich nicht weiter verschärft haben, werten wir positiv, genauso wie die steigenden Beschäftigungsabsichten. Insgesamt bleibt in der kurzen Frist – gerade im Anbetracht des weiteren Pandemieverlaufs – das wirtschaftliche Umfeld zwar schwierig. Aber bestimme Aspekte der Umfrageergebnisse aus der Industrie zum Kostendruck und den Lieferengpässen stimmen uns zuversichtlich, dass sich der Aufschwung in der EWU ab dem zweiten Quartal 2022 wieder mit kräftigen Zuwachsraten fortsetzt, nach einem pandemie-bedingt schwachen Jahresbeginn. Omikron ist derzeit das größte Risiko für die weitere Prognose.


In der deutschen Privatwirtschaft herrscht dagegen aktuell Stillstand, zumindest gemäß den Umfrageergebnissen von IHS Markit. Der umfassende Composite Index sank im Dezember von 52,2 auf 50,0 Punkte. Damit liegt er nun genau auf der neutralen Marke, die den Wachstumsbereich vom Kontraktionsbereich trennen soll. Der Rückgang geht dabei ausschließlich auf den Dienstleistungsbereich zurück. Die entsprechende Messzahl rutschte sogar unter die Wachstumsschwelle. Im verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich der Index dagegen überraschend.


In Frankreich zeigten sich die Einkaufsmanager insgesamt etwas skeptischer. Beide Unterindizes gaben nach und sorgten dafür, dass der Composite-Index insgesamt von 56,1 auf 55,6 Punkte zurückging. Die Einkaufsmanager berichten von sinkenden Produktionszahlen im verarbeitenden Gewerbe, bei gleichzeitig weiterhin robuster Nachfrage. Die Dienstleister aus dem Tourismusbereich beklagen aber wegen der aufkommenden Omikron-Virusvariante eine sinkende Nachfrage aus dem Ausland.


-- Dr. Christoph Swonke



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