Darum sind längere Schulden jetzt besser für Deutschland

Deutschland musste sich zu Beginn der Corona-Pandemie in kurzer Zeit große Summen am Kapitalmarkt leihen. Da dies am besten mit kurzfristigen Papieren funktioniert, emittierte die Deutsche Finanzagentur (DFA) zum überwiegenden Teil Bubills mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr, um die notwendig gewordenen Nachtragshaushalte zu finanzieren. Diese Papiere ermöglichen zudem die größte Zinsersparnis für den Staat, müssen im Gegenzug allerdings häufig gerollt werden, denn die Tilgung der Corona-Schulden ist erst bis 2056 geplant.

 

Die Wirkung jeder neuen Corona-Welle auf die Konjunktur nimmt mittlerweile jedoch ab, weshalb die Emissionsplanung des Bundes nun wieder weniger ereignisgetrieben sein sollte als 2020/21. Nach Ansicht des wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen könnte daher über eine Glättung des Schuldenprofils nachgedacht werden. Die sehr kurze Zinsbindungsfrist der Corona-Schulden vereint neben der Zinsersparnis auch den Schutz vor Deflationsrisiken auf sich, der derzeit aber gar nicht gefragt ist. Zudem kollidiert das damit einhergehende Zinsänderungsrisiko mit dem Sekundärziel des Schuldenmanagements, der Minimierung von Finanzierungsrisiken: Muss sich der Staat häufig refinanzieren, dann steigt das Risiko für Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen, wenn in der Zwischenzeit die Zinsen gestiegen sind. Hat ein staatlicher Emittent indes Planungssicherheit, indem er sich langfristig verschuldet, führt eine Glättung des Ausgabenprofils auch zur Steuerglättung.

 

Für eine Verlängerung der Zinsbindungsfrist spricht derzeit vor allem, dass diese zu geringen Mehrkosten erhältlich ist – die Renditedifferenz zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen beträgt derzeit nur 0,3%. Gleichzeitig nehmen die Zinsänderungsrisiken zu, wie in diesem Jahr die Inflationsentwicklung deutlich aufzeigte. Aber auch die Pläne der EZB, ihre Programme zu reduzieren, oder die Steigerung des Wachstumspotenzials infolge der Zukunftsinvestitionen der Ampel-Koalition sprechen für zukünftig steigende Renditen.

 

Die DFA hat daher bereits die Grundlagen für eine Verlängerung der durchschnittlichen Zinsbindungsfrist des Bundes gelegt und sieben- und 15-jährige Anleihen neu in ihr Emissionsprogramm aufgenommen. Mit einem raschen Anstieg der Zinsbindungsfrist deutscher Schulden ist zwar nicht zu rechnen, aber die Vorteile einer langfristigen Zinsbindung sprechen im aktuellen Umfeld grundsätzlich dafür.

-- René Albrecht


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