Türkische Wirtschaft wuchs auch in Q3 kräftig, aber Inflationssorgen belasten

Auch im dritten Quartal ist die türkische Wirtschaft kräftig gewachsen, dies zeigen die jüngst veröffentlichten Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Für dieses Jahr dürfte deshalb letztlich fast ein zweistelliges Wirt-schaftswachstum zu Buche stehen. Die Politik wird dies wohl als Bestätigung ihres wirtschaftspolitischen Kur-ses, aber auch der, stark von ihr beeinflussten, unorthodoxen Geldpolitik werten. Dies gilt umso mehr, da die Zahl der Beschäftigten im September trotz einer immer noch angespannten Corona-Lage auf 30,1 Millionen und damit ein neues Rekordhoch gestiegen ist. Die Finanzmärkte sind hingegen weiterhin wegen der hohen Inflation und dem deutlichen Währungsverfall besorgt. In wenigen Tagen dürfte für die Inflation ein November-Wert bekannt gegeben werden, der unverändert nahe der 20%-Marke liegt, was wohl kaum geeignet ist, die Stabilität der türkischen Lira zu stützen. Seit Jahresbeginn wird gegenüber dem US-Dollar immerhin ein Wert-verlust von 45% verzeichnet.

Vor diesem Hintergrund wuchs das BIP im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,7%, im Vergleich zu Q3 2020 ein Plus von 7,4%. Den wesentlichen Impuls lieferte eine außergewöhnlich kräftige Inlandsnachfrage, aber auch der Außenhandel stützte sichtbar das Wachstum. Darüber hinaus wurden die BIP-Daten für Q2 noch angehoben, so dass dort jetzt auf Jahressicht immerhin ein Zuwachs von 22% zu Buche steht.

Das kräftige Wirtschaftswachstum in diesem Jahr hat von pandemiebedingten Nachholeffekten und anderen Sondereffekten profitiert. 2022 erwarten wir ein Wachstum von „nur noch“ rund 4% - im langjährigen Vergleich allerdings immer noch eine recht gute Entwicklung. Die Risiken für die türkische Wirtschaft sind aber nicht klei-ner geworden, da sich die Inflation nur sehr zögerlich zurückbilden dürfte. Dies wird zu einer zunehmenden Hypothek für die privaten Haushalte. Auch der Kostendruck für die Unternehmen ist eine ernst zunehmende Belastung, da große Bereiche der Industrie auf umfangreiche Zulieferungen aus dem Ausland angewiesen sind und sich diese durch die Währungsschwäche deutlich verteuert haben.

 

 

Dr. Christine Schäfer

 

 

     


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