Inflationsrate im Euro-Raum steigt auf 4,9%

Der Anstieg der Inflation im Euro-Raum geht kräftig weiter. Nach 4,1% im Oktober stieg die Jahresveränderungsrate der Verbraucherpreise im November auf 4,9%. Dahinter stand erneut eine deutliche Verteuerung der Energiekomponente im Warenkorb der Verbraucher. Sie zog zum Vorjahr um 27,4% an. Das liegt daran, dass sich die Preise wichtiger Energieträger wie Öl und Gas deutlich über dem Vorjahresniveau bewegen. Zudem ist die globale Lieferkettenproblematik weiterhin ein Thema in der Industrie und inzwischen auch im Einzelhandel. Dies erklärt die Verteuerung bei den industriell gefertigten Gütern. Auch bei den Dienstleistungen kam es zu vergleichsweise kräftigen Preissteigerungen. Statistische Sondereffekte, die aus der Veränderung der Gewichte im Warenkorb im Vergleich zum Vorjahr herrühren, haben im November wohl für den starken Preisauftrieb bei den Dienstleistungen beigetragen.


Deutschland verzeichnete im November einen sehr kräftigen Preissprung. Hier stieg der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) von 4,6% auf 6,0% an. Neben den deutlich höheren Energiepreisen ist es hier vor allem der Effekt der Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung aus dem letzten Jahr, der derzeit, also im gesamten zweiten Halbjahr 2021, den Preisanstieg bei Gütern und Dienstleistungen zusätzlich antreibt.


In anderen großen EWU-Ländern fiel der weitestgehend energiebedingte Verbraucherpreisanstieg dagegen moderater aus. In Frankreich und Spanien legte die Inflation jeweils nur um 0,2 Prozentpunkte zu, die Raten lagen daher bei 3,4% bzw. 5,6%. In Italien stieg der HVPI etwas kräftiger von 3,2 auf 4,0%.


Der aktuell hohe Preisdruck im Euro-Raum sorgt natürlich für Diskussionsstoff, auch im Hinblick auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Nach dem Jahreswechsel 2021/2022 sollte der Inflationsdruck allerdings merklich nachlassen. In Deutschland fällt zum einen dann der Mehrwertsteuereffekt aus der Berechnung der Inflationsrate im Vorjahresvergleich heraus, zum anderen dürfte auch der Preisdruck von den Energierohstoffen in allen Ländern nachlassen. Die Freigabe der strategischen Ölreserven in den USA und anderen Industrieländern hat schon für einen leichten Rückgang der Ölpreisnotierungen gesorgt, zuletzt sorgte die Angst vor der Omikron-Variante für eine kräftige Korrektur. Dennoch wird in der Summe die Inflationsrate noch mindestens für sechs Monate über der Zielmarke der EZB von 2% liegen.


-- Dr. Christoph Swonke



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