Titel: Digitaler Euro: EZB startet Kommunikationsoffensive

Vor wenigen Wochen ist das Projekt „Digitaler Euro“ in die Investigationsphase eingetreten. Binnen zwei Jahren sollen Eigenschaften, Einsatzmöglichkeiten und technische Basis der künftigen digitalen Zentralbankwährung festgezurrt werden. Bislang lässt sich die EZB alle Optionen offen. Fest steht lediglich, dass der Digitale Euro in fünf bis sechs Jahren ein risikoloses Zahlungsmittel für alle Bürgerinnen und Bürger darstellen soll, mit dem das bestehende System aus Bar- und Giralgeld ergänzt wird.

Die jüngsten Äußerungen von führenden EZB-Vertreter deuten darauf hin, dass den Währungshütern mittlerweile etwas klargeworden ist: ein Selbstläufer wird die Einführung einer neuen Geldform nicht. Aus diesem Grund lässt die Notenbank öffentlichkeitswirksam die Frage erörtern, welche Charakteristika der Digitale Euro aufweisen muss, um in den Augen aller Beteiligten ausreichend attraktiv zu sein. Außerdem sollen Faktoren identifiziert werden, die einem Erfolg im Wege stehen könnten. Risiken und potenzielle volkswirtschaftliche Kosten sowie Möglichkeiten, diese zu begrenzen (Bestandsobergrenze, Negativzinsen), sollen hingegen in den Hintergrund rücken.  

Und noch etwas lassen die Wortmeldungen von Lagarde, Panetta & Co. vermuten: auch die EZB scheint festgestellt zu haben, dass die für den Digitalen Euro selbst ausgegebenen Ziele mit einer einzigen Geldform nicht zu erreichen sein werden. In ihrer Not gehen die Währungshüter dazu über, einen Erfolg des Projekts an der „regelmäßigen“ Nutzung des Digitalen Euro festmachen zu wollen. Mal davon abgesehen, dass der Begriff regelmäßig selbst für eine Zentralbank eine ziemlich vage Formulierung ist, erscheint diese Herangehensweise bei genauerem Hinsehen keineswegs sinnvoll.

Um die laut EZB so notwendige Funktion eines „Stabilitätsankers“ im digitalen Zeitalter zu übernehmen, bedarf es vorrangig einer allgemeinen Akzeptanz und Vertrauen in der Bevölkerung. Dass die von EZB-Vorstandsmitglied Panetta propagierten Vorteile für Bevölkerung, Unternehmen und Finanzbranche hierbei einen wesentlichen Beitrag leisten, solange er keinen nennenswerten Mehrwert gegenüber etablierten Geldformen aufzeigen kann, darf bezweifelt werden. Insgesamt hängen bleibt von der Kommunikationsoffensive daher insbesondere der Eindruck, dass die von der EZB eingeplanten zwei Jahre nicht besonders viel Zeit sind, um eine sinnvolle Ausgestaltung des Digitalen Euro festzulegen.

--Sören Hettler

 

 


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