Tempo Talk

Angesichts der hohen Inflationsraten in den Vereinigten Staaten hat die Diskussion darüber begonnen, ob die Wertpapierkäufe schneller zu reduziert werden müssen als noch vor gut drei Wochen von den US-Währungshütern angekündigt. Die zuletzt veröffentlichten Sitzungsprotokolle der US-Notenbank bestätigen Diskussionen über eine schnellere Rücknahme der geldpolitischen Unterstützung, um die Inflation in Schach zu halten. Je schneller die Wertpapierkäufe beendet werden, desto eher kann die Notenbank die Leitzinsen anheben. In der Folge rechnen die Märkte nun mit drei Leitzinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte bis Dezember des nächsten Jahres.

Auch wenn die inflationäre Entwicklung derzeit Grund zur Sorge bereitet, ist der langfristige Inflationstrend von 2% in den Vereinigten Staaten noch nicht erreicht. Mit der Strategieänderung der Fed im vergangenen Jahr strebt die US-Notenbank eine Inflationsrate von durchschnittlich 2% an. Unter der Annahme, dass die monatlichen Inflationsraten zukünftig ähnlich hoch wie in den zurückliegenden sechs Monaten ausfallen, wäre der Inflationstrend von 2% erst in knapp einem Jahr gebrochen. Nimmt der Preisdruck sogar ab, würde es noch länger dauern, bis das durchschnittliche Inflationsziel erreicht wäre. Unseres Erachtens sollten die Jahresinflationsraten spätestens ab dem Frühjahr des kommenden Jahres wieder auf ein deutlich niedrigeres Niveau zurückgehen, weil preistreibende Sondereffekte dann auslaufen.

Trotz des voraussichtlichen Rückgangs der Inflationsrate bleiben aber erhebliche Unsicherheiten bezüglich des inflationären Ausblicks. Insbesondere besteht die Gefahr einer Lohnpreisspiral. Der umfassendste Index zur Messung der Lohnentwicklung in den USA ist der Arbeitskostenindex (Employment Cost Index, ECI). Dieser wird zwar nur quartalsweise veröffentlicht, zeigte in den zurückliegenden Quartalen jedoch einen überdurchschnittlichen Anstieg der Lohnkosten.

Wir bleiben bei unserer Erwartung, dass die Fed erst gegen Ende des kommenden Jahres ihre Leitzinsen anheben wird. Sinkt die Inflationsrate im Jahr 2022 aufgrund von nachlassenden Sonderfaktoren, dürfte der Markt seine Zinserhöhungsfantasien wieder revidieren. Außerdem stellt die Pandemie weiterhin ein Belastungsfaktor dar. Wir können uns jedoch vorstellen, dass die Fed vor und auf dem Treffen der geldpolitischen Entscheidungsträger im Dezember durchaus intensiv über eine Beschleunigung des Taperings diskutieren wird. Wir glauben weiterhin nicht an eine Beschleunigung, da wir davon ausgehen, dass die Inflationsraten wieder sinken werden. Außerdem würde die Fed mit einem schnellen Tapering die Inflationsängste des Marktes bestätigen oder sogar schüren. Es droht dann das Risiko, dass die Inflationserwartungen ihre Verankerung verlieren. Aus diesem Grund halten wir eine schnellere Reduktion der Anleihekäufe für nicht sinnvoll.

- Birgit Henseler

    


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