Japan: Heftiger Konjunkturrückschlag im dritten Quartal

Die japanische Wirtschaft hat im dritten Quartal 2021 laut vorläufiger Schätzungen einen herben Rückschlag erlitten. Mit -0,8% fiel die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal deutlich stärker zurück als allgemein erwartet worden war. Hinter dieser negativen Entwicklung stehen primär zwei Faktoren: Zum einen hat die heftige Corona-Welle von Juli bis Mitte September zu einem steilen Anstieg und neuen Hochs bei den Neuinfektionen geführt, was den inländischen Konsum stark beeinträchtigt hat. Immerhin sind die privaten Verbrauchsausgaben mit -1,1% (Q/Q) überdurchschnittlich stark gefallen. Zum anderen haben die anhaltenden Lieferprobleme bei industriellen Vorprodukten (u.a. IT-Chips) und Rohstoffen die Aktivitäten der japanischen Industrieunternehmen nach der Jahresmitte regelrecht ausgebremst.


Insgesamt fiel die japanische Industrieproduktion über das gesamte dritte Quartal hinweg trotz voller Orderbücher saisonbereinigt um rund 10% gegenüber dem Stand von Ende Juni zurück, die gesamtwirtschaftlichen Anlageinvestitionen fielen in Q3 um insgesamt 3,1%. Die Beschaffungsprobleme in der Industrie haben dabei auch die Exporte nach der Jahresmitte nach unten gezogen (-2,1% Q/Q), da vor allem die exportintensive Autoindustrie von der Chip-Knappheit betroffen war. Letztlich hat nur der Staat mit seinen Verbrauchsausgaben einen wachstumsstützenden Beitrag geleistet.


Die letzte Corona-Welle in Japan hatte Mitte Juli eingesetzt und Ende August ihren Peak erreicht bzw. überschritten. Die Zahl der Neuinfektionen ist seither kontinuierlich und steil wieder gesunken und hat sich seit Ende Oktober auf einem Niveau von täglich zwischen 100 und 200 stabilisiert. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt zur Mitte des dritten Quartals hatte es täglich bis zu über 25.000 neue Fälle gegeben. Dies und die inzwischen auf über 75% angestiegene Impfquote bei den vollständig geimpften Personen lässt beim Wirtschaftswachstum ein deutlich besseres Jahresschlussquartal erwarten.


Wichtigste Risikofaktoren für Japans Konjunktur bleiben jedoch vorerst die gestörten internationalen Lieferketten und die mangelnde Verfügbarkeit von IT-Chips und anderen elektronischen Bauteilen. Beides kann die wirtschaftliche Erholung der entsprechenden Industriebereiche noch erheblich verzögern. Zumindest der japanische Dienstleistungssektor sollte aber nun in Q4 und darüber hinaus wieder Erholungstendenzen zeigen. Wegen des unerwartet stark negativen dritten Quartals wird das Gesamtwachstum in diesem Jahr aber wohl unter 2,0% bleiben.
 

-- Dr. Rütger Teuscher



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