Lateinamerika: Nur moderater Ausblick für die Konjunktur

Mit einem Zuwachs von 6,4% beim BIP fällt für dieses Jahr die Wachstumsbilanz der sechs größten lateinamerikanischen Volkswirtschaften besser aus als zunächst erwartet. Ein internationaler Vergleich zeigt, dass wohl nur der asiatische Raum im Sog der chinesischen Wirtschaft 2021 eine noch etwas stärkere Steigerung erreicht. In Lateinamerika hat sich zur Jahresmitte der konjunkturelle Schwung jedoch sichtbar verlangsamt, und dies trotz einer sich deutlich entspannenden Gesundheitslage. Hinzu kommt, dass die Inflation angezogen hat und die Notenbanken vereinzelt bereits deutlich dagegen steuern. 2022 ist für die Region letztlich nur moderates Wirtschaftswachstum von 2,2% zu erwarten.


Durch fehlende Vakzine hinkte der südamerikanische Kontinent bis vor einigen Wochen im internationalen Vergleich deutlich bei den Impfkampagnen hinterher. Inzwischen haben in Brasilien und Argentinien aber rund 75% der Bevölkerung wenigstens eine Impfdosis erhalten, das ist mehr als beispielsweise in den USA oder in Deutschland. In Mexiko, Kolumbien und Peru liegt die Impfquote zwar erst bei knapp 60%, es werden aber weiterhin gute Fortschritte gemacht. Mit den beginnenden Sommermonaten sollte sich vor diesem Hintergrund die Gesundheitslage in der Region weiter verbessern.


Spitzenreiter in der Region bezüglich Wirtschaftswachstum in diesem Jahr dürfte Chile mit einem Zuwachs von 11% sein. Brasilien als größte Wirtschaftsmacht der Region startete dank einer sehr regen privaten Investitionstätigkeit zwar auch schwungvoll in dieses Jahr. Auf dem privaten Konsum lastete jedoch die prekäre Gesundheitslage. Zum einen weil in den Wirtschaftszentren die lokalen Behörden Schließungen von Geschäften und anderen Dienstleistern anordneten. Zum anderen ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit noch nicht weit fortgeschritten. Hinzu kommt, dass die privaten Haushalte schon vor der jüngsten Krise stark verschuldet waren, diese Situation hat sich noch weiter verschärft. Auch dies ist ein Grund, warum die Regierung versucht, trotz bereits hoher Staatsverschuldung und einer gesetzlichen Ausgabenbeschränkung finanzielle Stützungspro-gramme zu verlängern. Ein anderer Grund ist, dass der inzwischen sehr unbeliebte Präsident Jair Bolsonaro auf diese Weise versucht, seine Chancen auf eine Wiederwahl im Herbst 2022 zu verbessern. Eine sichtbare Abbremsung des brasilianischen Wirtschaftswachstums im kommenden Jahr, wie sie derzeit zu erwarten ist, in Kombination mit einem angespannten Arbeitsmarkt käme da zur Unzeit.


-- Dr. Christine Schäfer


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