Schützt der Bitcoin vor Inflation?

Der Bitcoin hat erfolgreiche Wochen hinter sich. Zurückzuführen sind die jüngsten Kursgewinne unter anderem auf die weltweit zunehmenden Inflationssorgen. Diese kratzen nicht nur an der Reputation traditioneller Währungen. Für viele Bitcoin-Befürworter gilt die Kryptowährung darüber hinaus als „digitales Gold“ und damit als Schutz vor der Geldentwertung von Euro, US-Dollar & Co.

Die Basis für den Vergleich mit dem als Stabilitätsgarant geltenden Edelmetall bilden zwei zentrale Merkmale der Kryptowährung. Zum einen ist die Schaffung neuer Einheiten mit einem hohen Energieaufwand verbunden. Bei traditionellen Währungen kann eine zusätzliche Geldmenge hingegen „aus dem Nichts“ erzeugt werden. Zum anderen verfügt Bitcoin über eine Obergrenze von 21 Mio. Einheiten, die nicht ohne weiteres geändert werden kann. Bei traditionellen Währungen ist die Notenbank in der Lage, die Geldmenge nach Belieben zu steuern bzw. zu erhöhen und damit Inflationsrisiken zu befeuern.

Skeptiker der These von Bitcoin als Schutzschild gegen Inflation betonen hingegen, dass Gold seine Reputation als inflations- und krisensicherer Wertspeicher über Jahrhunderte hinweg aufgebaut sowie diverse Kriege und Finanzkrisen überstanden hat. Anhänger des Edelmetalls verweisen zudem auf die physische Existenz von Gold. Es wird sowohl zur Schmuckherstellung als auch in der Industrieproduktion eingesetzt und dürfte daher niemals gänzlich wertlos werden. Bei Bitcoin besteht diese Gefahr durchaus. Dass es sich schwer um den Hals hängen lässt, ist unbestritten. Schwerer wiegt jedoch das Risiko, dass früher oder später eine andere Kryptowährung auftaucht, die Bitcoin den Rang abläuft. Ein dramatischer Wertverfall könnte zudem drohen, sofern weitere, bedeutende Nationen dem Beispiel Chinas folgen und Bitcoin verbieten.

Solange ausreichend Investoren der Ansicht sind, dass der Bitcoin werthaltig ist oder sogar die Eigenschaften von analogem Gold aufweist und damit einen über die Zeit verlässlichen Schutzschild gegen Inflationsrisiken darstellt, sind neue Rekordstände zwar keineswegs auszuschließen. Interessierte sollten sich jedoch vor Augen führen, dass es vor allem die Stimmung der Teilnehmer eines weitgehend unregulierten Marktes ist, die hier den Ton angibt. Schutzmechanismen wie eine vorübergehende Aussetzung des Handels, die bei gravierenden Wertverlusten in anderen Finanzmarktsegmenten greifen, gibt es nicht. Und verglichen mit Gold existieren bei der immer noch jungen Kryptowährung diverse Faktoren, die einen Stimmungsumschwung herbeiführen und den Totalverlust bedeuten können.

 

Sören Hettler


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