US-Häfen völlig überlastet

Die Konsumnachfrage in den USA ist riesig, doch der Nachschub an Gütern stockt – ausgerechnet vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft. Schuld daran ist das Chaos an den Seehäfen, die aktuell Flaschenhälse im Welthandel sind. Längst sind es nicht mehr nur große Häfen in China, die aufgrund von zeitweisen Schließungen die globalen Lieferketten stressen. Mittlerweile stauen sich die Schiffe und Container auch an der Westküste der USA, wo die Ware aus Fernost eigentlich abgeladen werden soll. Besonders die Seehäfen von Los Angeles und Long Beach, die zusammen fast 40% der US-Importe abfertigen, stehen im Fokus.


Lange Lieferzeiten für eine Vielzahl von Waren drohen den aktuellen Konjunkturaufschwung in den Vereinigten Staaten zu bremsen. Außerdem verstärkt sich damit das Risiko, steigender Kosten für Unternehmen und letztlich einer höheren Inflation. Daher wird mit Hochdruck an Lösungen für den Containerstau in den Häfen gearbeitet, auch die Regierung hat sich inzwischen eingeschaltet. So hat Präsident Biden angekündigt, dass die großen Häfen in Kalifornien rund um die Uhr arbeiten sollen. Das allein reicht aber nicht, um die Probleme zu lösen. Die Häfen können ihre Kapazität auf die Schnelle nicht stark steigern, weil sie mit der Abfertigung des enormen Handelsvolumens schlichtweg überfordert sind: So mangelt es zum Beispiel an Lastkraftwagenfahrern für den Abtransport der Container. Zudem sind die Lagerflächen auf den Hafengeländen bereits voll mit Containern, weshalb LKWs ihre leeren Container nicht abladen können, um wiederum volle Container aufzunehmen. Auch an nachgelagerten Stellen der Abfertigung hapert es.


Nun sollen andere Maßnahmen Entlastung bringen: So zieht die Biden-Administration den Einsatz der Nationalgarde in Erwägung, um beim Transport der Güter zu helfen. Der Gouverneur Kaliforniens hat derweil seine Behörden angewiesen, nach öffentlichen Flächen zu suchen, die als zusätzliche Lagerplätze infrage kommen. Auch regulatorische Hemmnisse sollen aus dem Weg geräumt werden: So wird zum Beispiel eine temporäre Erhöhung der zugelassenen Tragkraft von LKWs auf bestimmten Straßen geprüft. Sinnvoll ist zudem die Entscheidung der Behörden, zeitweise eine größere Stapelhöhe für Schiffscontainer zuzulassen. Diese Lösungsansätze versprechen immerhin kurzfristig etwas Abhilfe an den US-Seehäfen.


Angesichts hoher Frachtkosten und zahlreicher Engpässe im internationalen Handel, bleibt die globale Lieferkettenproblematik aber wohl noch bis ins kommende Jahr hinein ein bremsender Faktor für die Weltwirtschaft.

 

-- Alexander Buhrow


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