Resistente Unternehmensgewinne bescheren Wendepunkt am Aktienmarkt

Die noch junge Berichtssaison überrascht mit besser als erwarteten Ergebnissen. Die Marktteilnehmer schöpfen hieraus neue Zuversicht und entsprechend gut reagiert der Aktienmarkt. Nach vielen Wochen mit schlechten Nachrichten über eine mögliche Konjunktureintrübung scheint der Knoten nun geplatzt zu sein und die volatile Schwächephase am Aktienmarkt ein Ende gefunden zu haben.

 

Endlich erfreuliche Nachrichten! In der laufenden Berichtssaison konnte bisher auf beiden Seiten des Atlantiks der Löwenanteil der verkündeten Unternehmensgewinne positiv überraschen. Allerdings ist jetzt schon abzulesen, dass die großen Themenfelder – Lieferengpässe und Inflation – die Gewinnentwicklung im abgelaufenen Quartals sichtbar geprägt haben, jedoch weniger schlecht als von den Marktteilnehmern erwartet. Der Aktienmarkt reagiert entsprechend positiv und liegt nach über zwei Monaten Abwärtstrend seit Mitte Oktober nun endlich wieder in beiden Regionen im Plus.

 

Es kann schon jetzt ganz klar zwischen Gewinnern und Verlierern des wirtschaftlichen Umfeldes unterschieden werden. So konnten die großen US-Banken enorm von gestiegenen inflationsgetriebenen Kapitalmarktzinsen profitieren, die in Kombination mit stets niedrigen Refinanzierungskonditionen der US-Notenbank ihre Nettozinsmarge steigerten. Sie blicken optimistisch einem Ende der aktuellen Probleme im nächsten Jahr entgegen. Wir erwarten eine entsprechend hohe Gewinnentwicklung der Energie- und Rohstofffirmen bei ihrer noch anstehenden Berichterstattung. Im Gegensatz hierzu stehen die Branchen, deren Aufträge aufgrund von Materialknappheit nicht ausgeführt werden können beziehungsweise deren Margen durch Inputkostensteigerungen stark geschmälert werden. Der Aktienmarkt preist jedoch auch für diese Sektoren mehr Optimismus ein, negative Gewinnrevisionen scheinen nun vollständig erfasst und die Talsohle durchschritten zu sein. Die Aktienkurssteigerungen seit Mitte Oktober implizieren eine merklich höhere Gewinnerwartung für das Jahr 2022 über Regionen und Sektoren hinweg. Daneben sind die am Terminmarkt erwarteten Aktienkursschwankungen für die nächsten ein bis drei Monate enorm zurückgegangen ebenso wie die Nachfrage nach entsprechenden Kursabsicherungsgeschäften. Ähnlich wie im vergangenen Krisenjahr 2020 könnte dieser „Schub“ an Optimismus für zusätzlichen Aufwind am Aktienmarkt sorgen. Die Resilienz der berichteten Unternehmensgewinne könnte daher „den Knoten zum Platzen gebracht haben“ und die Aufmerksamkeit der Anleger wieder auf konjunktursensible Sektoren richten.

 

Sven Streibel

Quelle: Refinitiv


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