Ausverkauf der türkischen Lira geht weiter

Der Verfall der türkischen Lira geht zum Auftakt der neuen Handelswoche weiter. So fiel sie doch sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar erneut auf neue Rekordtiefststände. Auslöser für den momentanen Abwärtsschub ist neben der unerwartet deutlich ausgefallenen Leitzinssenkung der türkischen Notenbank (TCMB) vom vergangenen Donnerstag besonders die Verbalattacke von Staatspräsident Erdogan gegen zehn ausländische Botschafter.


Was die mit 200 Bp unerwartet deutlich ausgefallene Leitzinssenkung betrifft, so erfolgte diese objektiv betrachtet zu einer Unzeit. Denn nicht nur, dass der Preisdruck in der Türkei zuletzt weiter massiv zugenommen hat. Hinzu kommt, dass die Lira ohnehin massiv angeschlagen ist. Die jüngste deutliche Lockerung der geldpolitischen Zügel dürfte damit weder eine Entspannung an der Inflations- noch an der Währungsfront mit sich bringen – im Gegenteil. Erschwerend kommt aus Lira-Sicht hinzu, dass die marktseitig bestehenden Sorgen vor einer politischen Einflussnahme auf die Geldpolitik des Landes nach der jüngsten Leitzinssenkung noch größer geworden sind. So erfolgte dieser geldpolitische Schritt doch u.a. kurz nachdem Spekulationen die Runde gemacht haben, wonach Erdogan das Vertrauen nun auch in den aktuellen Notenbankchef Kavcioglu verloren haben könnte.


Und als ob dies nicht schon genügend Ballast für die verunsicherte Lira gewesen wäre, setzen ihr nun noch verschärfte diplomatische Spannungen zu. Auch dieser Belastungsfaktor ist untrennbar mit Staatspräsident Erdogan verbunden. Er forderte am Wochenende, die Botschafter von zehn Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und die USA, zu „unerwünschten Personen“ erklären zu lassen, was nichts anderes als eine formelle Ausweisung zur Folge hätte. Die diplomatischen Vertreter dieser Länder fordern bereits seit Längerem, den in der Türkei inhaftierten Kulturförderer Kavala freizulassen. Staatspräsident Erdogan gefährdet mit dieser Verbalattacke nicht nur die diplomatischen Beziehungen. Auch wirtschaftlich könnte dies Folgen haben. Angesichts dessen, dass der konjunkturelle Schwung in der Türkei wieder nachlassen sollte und spätestens 2023 die nächsten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen anstehen, dürfte eine diplomatische Eskalation nicht im Sinne Erdogans sein. Selbst wenn es sich letztendlich nur um diplomatisches Säbelrasseln als Demonstration der Stärke seitens des türkischen Staatspräsidenten handeln sollte. Für die Lira stellen diese diplomatischen Verwerfungen nicht weniger als einen weiteren Belastungsfaktor dar, der weitere TRY-Verluste zur Folge haben könnte.

 

-- Dr. Sandra Striffler


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