Emerging Markets: Großes Potenzial an „Working Agern“

Das Potenzial an Erwerbsfähigen ist ein wichtiger Faktor für das Wachstumspotenzial eines Landes. In vielen Emerging Markets wird sich in den kommenden Jahren das Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter deutlich verlangsamen, bleibt in der Regel aber sichtbar höher als in vielen Industrieländern. Damit aus diesen vorhandenen Ressourcen auch tatsächlich Wirtschaftswachstum generiert werden kann, sollte die Politik für eine hohe Erwerbsbeteiligung sorgen. Durch die Corona-Pandemie ist in vielen Schwellenländern die Arbeitslosigkeit deutlich gestiegen und darüber hinaus noch die Teilnahme am Arbeitsmarkt gesunken. Mit anhaltender konjunktureller Erholung sollten sich die Arbeitsmärkte jedoch erholen. Es besteht aber auch die Gefahr, dass die Erwerbsfähigen, die während der jüngsten Krise den Arbeitsmarkt entmutigt verlassen haben, nicht wieder zurückkehren und in der stillen Reserve verharren.

Vor allem Länder mit strukturell zu niedriger Partizipation am Arbeitsmarkt bzw. einer großen stillen Reserve sollten Arbeitsmarktreformen in Angriff nehmen. Meistens ist eine niedrige Erwerbsbeteiligung der Frauen der Grund für das Hinterherhinken dieser Länder. Unter diesen Aspekten stechen vor allem die Türkei und Indien ins Auge, Südafrika und Mexiko sind ebenfalls zu nennen. In der Regel sind die sich noch entwickelnden Volkswirtschaften Exporteure von Rohstoffen und/oder Nahrungsmitteln. Deshalb dürfte in den nächsten Jahren der anhaltende Nachfragesog aus dem Ausland das Wachstum stützen und für moderates Wirtschaftswachstum mit sinkender Arbeitslosigkeit sorgen.

Da in vielen Industrieländern die Gruppe der Working Ager kaum noch wachsen wird und teilweise sogar sinkt, ist die Gefahr groß, dass qualifizierte Arbeitskräfte aus den Schwellenländern abgeworben werden. Dadurch würde die Wachstumsverlangsamung beim Arbeitskräfteangebot in den Emerging Markets noch stärker ausfallen als es die Projektionen der OECD aufgrund der demografischen Entwicklung aufzeigen.

Um den Vorteil eines großen Potenzials an Erwerbsfähigen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum nutzen zu können, sollten die Schwellenländer deshalb die Rahmenbedingungen für Direktinvestitionen verbessern. Eine gut ausgestattete und auch stabil funktionierende Infrastruktur im Hinblick auf Verkehr, Internet und auch Elektrizität erhöht die Standortattraktivität für international tätige Unternehmen. Durch die vermehrte Errichtung von Produktionsstätten in den Emerging Markets entstehen vor Ort Arbeitsplätze und das Potenzial an Working Agern kommt zum Tragen. Darüber hinaus dürften hiervon die Qualifikationen der Erwerbstätigen profitieren, was wiederum noch mehr Investoren anlockt.

 

Dr. Christine Schäfer


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