Buchmesse: Papierknappheit könnte Weihnachtsgeschäft belasten

Obwohl das Papiergewerbe nur für etwa 0,5% der Bruttowertschöpfung in Deutschland und für weniger als 2% der Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes verantwortlich ist, stellen die Erzeugnisse der Branche wichtige Vorprodukte für andere Segmente dar. Vor allem als Verpackungsmittel werden die Produkte aus Papier und Pappe von vielen Branchen benötigt. Rund 17% der gesamten deutschen Erzeugung des Papiergewerbes landen zudem im Druckereigewerbe und fast 1% im Verlagsgewerbe.

Dass Papier derzeit ähnlich knapp wie andere wichtige Vorprodukte für die Industrie geworden ist, liegt einerseits an der international stark gestiegenen Nachfrage im Zuge des Post-Corona-Booms. Andererseits ist es aber auch auf die weltweit sehr schwache Entwicklung während der Corona-Krise zurückzuführen. Damals wurde wesentlich weniger gedruckt und zumindest B2B auch weniger versandt, so dass die Altpapiermengen stark zurückgingen und nun fehlen. Dementsprechend kletterten etwa die Einfuhrpreise für Altpapier seit Ende vergangenen Jahres binnen weniger Monate um mehr als zwei Drittel und blieben dann stabil auf dem erreichten sehr hohen Niveau. Papierknappheit und hohe Preise könnten zu Problemen bei Verpackung und Versand führen.

Nicht nur angesichts der ab 20. Oktober erstmals seit zwei Jahren wieder in Präsenz stattfindenden Buchmesse ist diese Entwicklung für das Druck- und Verlagsgewerbe alles andere als erfreulich, vor allem vor dem Hintergrund des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts. Schließlich erzielt der Buchhandel in den letzten beiden Monaten des Jahres rund ein Viertel seines gesamten Jahresumsatzes und damit deutlich mehr als im Einzelhandelsdurchschnitt. Zudem sorgt die Buchpreisbindung in Deutschland dafür, dass die höheren Kosten nicht einfach an die Abnehmer weitergereicht werden können, zumindest wenn die Bücher bereits erschienen sind.

Wegen der hohen Kapazitätsauslastung im deutschen Papiergewerbe ist kaum davon auszugehen, dass die Nachfrage in absehbarer Zeit durch Angebotssteigerungen befriedigt werden kann. Daher dürfte uns diese Situation noch bis ins nächste Jahr begleiten, analog zu anderen knappen Vorprodukten. Für das von der nachlassenden Nachfrage nach Zeitungsdruck und dem Trend zum papierlosen Büro getroffene Papiergewerbe selbst sind das aber keine schlechten Nachrichten.

 

-- Dr. Claus Niegsch

 


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