Erneute politische Einmischung in die Geldpolitik belastet die türkische Lira massiv

Die türkische Lira fällt dieser Tage gegenüber dem US-Dollar von einem Rekordtief zum nächsten, und auch gegenüber dem Euro hat sie einen überaus schweren Stand. Wenngleich der türkischen Landeswährung momentan u.a. das global eingetrübte Sentiment gegenüber Schwellenländerwährungen sowie erneut aufgekommene geopolitische Risiken zusetzen, so ist der wesentliche Teil ihrer Verunsicherung der neuerlichen Einmischung Ankaras in die Geldpolitik des Landes geschuldet. Damit einher geht die marktseitig anhaltende Sorge einer auch perspektivisch zu lockeren Geldpolitik, um den massiven Inflationsrisiken Herr zu werden.
 
Was den aktuellen Abwärtsschub der Lira ausgelöst hat, war die jüngste Meldung, wonach der türkische Staatspräsident Erdogan per Dekret drei Mitglieder des geldpolitischen Entscheidungsgremiums der dortigen Notenbank (TCMB) entlassen hat, darunter auch der stellvertretende Vorsitzende. Der Grund hierfür dürfte deren kritische Haltung gegenüber dem Wunsch Erdogans gewesen sein, die Geldpolitik des Landes deutlich lockerer zu gestalten. Bereits Ende letzter Woche kamen marktseitig Spekulationen auf, wonach der türkische Staatspräsident das Vertrauen in den erst seit dem Frühjahr amtierenden und von ihm eingesetzten Notenbankchef Kavcioglu verloren haben soll. Wenngleich Ankara entsprechende Berichte umgehend dementiert hat, so ist bei der Lira doch ein fahler Beigeschmack geblieben, der sich mit der Entlassung der drei TCMB-Mitglieder wenig verwunderlich nun noch verstärkt hat.

Unserer Einschätzung zufolge dürften die Rekordtiefs, die die Lira derzeit gegenüber dem US-Dollar verzeichnet, nicht die letzten gewesen sein. So könnten doch die neuerlichen Einmischungen der Politik in die Geldpolitik des Landes Vorboten dafür sein, dass die TCMB bei ihrer nächsten Zinssitzung am 21. Oktober die Leitzinsen ungeachtet des im September in der Türkei weiter zugenommenen Preisdrucks erneut deutlich senkt. Wenngleich der Vorsitzende der türkischen Notenbank Kavcioglu nach einem solchen Schritt wieder etwas fester im Sattel sitzen könnte, so würde er doch zugleich seiner ohnehin massiv verunsicherten Landeswährung einen weiteren Bärendienst erweisen.

 

-- Dr. Sandra Striffler


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