Corporates Neuemissionen schwächeln – Nachhaltigkeitssegment blüht weiter auf

Bis zum Jahresende dürfte das Rekordvolumen neuer Unternehmensanleihen des Vorjahres nicht mehr einzuholen sein. Im Startjahr der Pandemie hatte vor allem das zweite Quartal 2020 für einen regelrechten Boom neuer Bonds gesorgt. Nunmehr ging das dritte Quartal 2021 zu Ende und es zeigt sich ein Volumenrückgang seit Jahresstart um insgesamt rund 20%. Nachdem am Markt relativ schnell eine Gewöhnung an das pandemische Umfeld eingetreten war, dürfte für das Gesamtjahr 2021 daher eher mit einem Neuemissionsvolumen von 380 bis 400 Mrd. Euro zu rechnen sein.

 

Viel lebhafter präsentierte sich demgegenüber das weiter aufblühende Nachhaltigkeitssegment: der September brachte ein neues Hoch auf Monatsbasis hervor. Das Emissionsvolumen von 2020 wurde im laufenden Jahr bereits vor Halbjahresende übertroffen. Zudem herrscht unverändert ein Nachfrageüberhang zum Beispiel durch den Anstieg nachhaltiger Investmentfonds.

 

Vor allem unterstützt durch ein hohes Volumen an Sustainability-Linked-Bonds (SLBs) dürfte das Wachstum in diesem Teilbereich weiter vorangetrieben werden. Im Gegensatz zu originären ESG-Anleihen mit ihren Green-, Social- und Sustainability Bonds dienen die Mittel aus SLBs nicht zur Finanzierung konkreter nachhaltiger Unternehmensprojekte. Unternehmen, die SLBs platzieren, geben Investoren die Zusage, in einer vorher festgelegten Zeitspanne klar definierte unternehmensweite Ziele zu erreichen, die das Unternehmen im Hinblick auf nachhaltige Kennzahlen voranbringen. Sowohl die höhere Flexibilität dieser Anleihegattung im Vergleich zu den klassischen ESG-Anleihen sowie ihre seit Jahresstart unter bestimmten Voraussetzungen gegebene EZB-Fähigkeit liefern deutliche Impulse. SLBs lagen zum Ende des dritten Quartals mit 26 Mrd. Euro ein Vielfaches über dem Vorjahr von lediglich insgesamt rund 3 Mrd. Euro.

 

Nicht zu vernachlässigen ist jedoch auch weiterhin die ursprüngliche Gattung der ESG-Anleihen, die erneut deutlichen Schub gebracht hat. Nach den ersten neun Monaten lag das Volumen in diesem Bereich bei 53 Mrd. Euro und somit fast 30% über dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Die klassischen Green Bonds vereinen mit 86% weiterhin den Hauptanteil der ESG-Anleihen auf sich. Insgesamt schreitet die Vielfalt im gesamten Nachhaltigkeitssegment voran. Nicht nur werden mehr SLBs emittiert, die Diversifizierung in immer mehr Sektoren nimmt weiter zu. Das Angebot an unterschiedlichen Emittenten und nachhaltigen Zielen wird stetig bunter („Green goes rainbow“). Die EZB trägt ihren Anteil bei und forciert die „grüne Geldpolitik“ weiter.

 

-- Christine Bredehöft

 

 


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