Alice im QE-Wunderland – Oder der Weg aus dem Kaninchenbau

Die herausfordernden Rahmenbedingungen, die heutzutage unter dem Begriff "VUCA-Welt" zusammengefasst werden, finden dieser Tage einmal mehr Bestätigung. Waren es zuletzt Unsicherheiten durch die Delta-Mutation, sind es aktuell der chinesische Immobilienentwickler Evergrande oder der Stress am Rohstoffmarkt. Das Ganze führt dazu, dass sich die Zentralbanken in ihrer selbstdefinierten neuen Rolle als Risikomanagerinnen bestätigt sehen.

 

Angesichts einer trotz Delta-Mutation robusten Konjunkturentwicklung und durch lokale Lockdowns stotternde Lieferketten ("Flaschenhälse" führen zu Nachfrageüberhang) nehmen aktuell die Inflationsanstiegsrisiken zu. Daher würde es für die Risikomanagerinnen, sprich Zentralbanken, langsam Zeit, Farbe zu bekennen, wie sie uns wieder aus dem Kaninchenbau herausführen wollen, der uns ins QE-Wunderland geführt hat. Dabei erleben wir den Unterschied, dass Alice in den USA schon weiter auf dem Weg nach draußen ist als in der EWU. Fed-Chef Powell hat klargemacht, dass der Ausstieg kommt, es aber aufgrund der Unsicherheit der konjunkturellen Daten noch eine Frage des Timings ist. EZB-Chefin Lagarde will uns dagegen erst im Dezember informieren, wie es mit dem Notfallkaufprogramm PEPP weitergeht. Es scheint aber klar, dass auf das PEPP ein neues Risikomanagementprogramm folgen wird. Unserer Ansicht nach braucht die EZB ein Werkzeug, mit dem sie weiter flexibel in die Märkte eingreifen kann, um günstige Finanzmarktbedingungen und Kreditvergabe nach ihren Vorstellungen zu steuern. Dann steht das erste P in PEPP eher für Permanent und nicht mehr für Pandemie. Dieser Ausblick auf die Renditewelt bedeutet, dass wir uns im Gegensatz zu den USA in der EWU noch nicht so wirklich aus dem Kaninchenbau bewegen und weiter in einem Wunderland leben, in dem deutsche Staatsanleihen unter null Prozent rentieren.

 

Die beschriebene, komplexe Gemengelage führt dazu, dass der Markt eine eher defensive Haltung bevorzugt, bis mehr Klarheit über den Verlauf der verschiedenen Strategien zur Reduktion der Zentralbankkäufe (Tapering) herrscht. Dieses Umfeld spricht für eine Strategie mit der Bevorzugung von höheren Bonitätsrisiken. Bezüglich der Renditeentwicklung richten wir uns mit Blick auf die sensible Tapering-Thematik und aktuellen Inflationsanstiegsrisiken auf weiter steigende Niveaus aus. Hoffen wir, dass wir nicht ewig mit dem Hutmacher und dem Märzhasen am Teetisch sitzen bleiben.

 

Christoph Kutt


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