DAX nach der Bundestagswahl: Gelassenheit wird einkehren

Bis zur neuen Regierungsbildung dürfte es noch Monate dauern. Ob es zur Jamaika- oder zur Ampel-Koalition kommen wird, wird kaum Auswirkungen auf die international ausgerichteten DAX-Unternehmen haben. Ausländische Investoren, die die größte Aktionärsgruppe bilden, werden begrüßen, dass Deutschland politisch eine sichere Bank innerhalb Europas bleiben wird.

Am deutschen Aktienmarkt herrscht Erleichterung, der harte „Linksruck“ ist ausgeblieben. Nach dem Wahlergebnis ist die Wahrscheinlichkeit für eine rot-grün-rote Regierung massiv gesunken. Das wäre die einzige Regierungskonstellation gewesen, die als Belastung für den Aktienmarkt empfunden worden wäre.

Ob es zu Jamaika, einer Ampel oder gar einer rot-schwarzen Koalition kommt, macht für die im DAX und anderen Indizes notierten Unternehmen keinen großen Unterschied. Zu international ist ihr Geschäft in den letzten Jahren geworden, auch was die Verteilung der Arbeitsplätze angeht. Breit angelegte Steuermaßnahmen für Unternehmen, die den Markt tatsächlich hätten bewegen können, wie etwa unter Präsident Trump in den USA im Jahr 2018, waren von den Parteien ohnehin nicht geplant.

Klar ist aber auch, dass die Aktienmärkte eine Jamaika-Koalition einer Ampel-Koalition vorziehen würden. Auf diese Weise gäbe es für den Markt weniger Berührungspunkte mit einer SPD-geführten Regierung, die vom Markt oft kritisch gesehen wird.

Für ausländische Investoren ist wichtig: Auch wenn die Bildung einer Koalition noch ungewiss ist und einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte, bleibt Deutschland unabhängig vom Ausgang der Koalitionsverhandlungen ein politisch sicherer Hafen in Europa. Einen polarisierenden Regierungschef wie Donald Trump in den USA, Boris Johnson in Großbritannien oder Macron in Frankreich wird es in Deutschland auch in Zukunft nicht geben. Ein Bundeskanzler Scholz oder Laschet stünde für Kontinuität in der deutschen Politik. Viele Deutsche würden sich sicherlich mehr Aufbruchsstimmung wünschen, aber internationale Investoren lieben genau diese Kontinuität. Sie gibt ihnen die Sicherheit, dass deutsche Unternehmen auch in Zukunft wachsen und ihre Aktienkurse steigern können.

Die FDP und die Grünen haben in den vergangenen Wochen auffallend intensiv darüber gesprochen, wie sehr die Digitalisierung und der Klimawandel im Fokus stehen, nicht zuletzt weil viele junge Wählerinnen und Wähler auf die beiden Parteien gesetzt haben. Umfangreiche Fördermaßnahmen für erneuerbare Energien scheinen beschlossene Sache zu sein. Diese Programme könnten auch einigen Unternehmen an der Börse Auftrieb geben. Details zu den Programmen sind jedoch erst in einigen Monaten zu erwarten. Wir hoffen jedoch, dass sich hier keine neue Investitionsblase entwickelt, wie es vor gut zehn Jahren am deutschen Photovoltaikmarkt der Fall war.

 

-- Christian Kahler


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