Wahlen, Wirtschaft, Währung: Ein Ausblick für Kanada

Am 20. September finden in Kanada vorgezogene Unterhauswahlen statt. Premierminister Justin Trudeau hat diese selbst herbeigeführt, da er in seinen guten Umfragewerten die Chance sah, künftig wieder eine Mehrheits- statt einer Minderheitsregierung anzuführen. Für seine Corona-Politik erhielt er viel Zuspruch. Trudeaus Liberale Partei lag in den Umfragen zeitweise deutlich vor den Konservativen.

 

Seither ist jedoch wenig so gelaufen, wie der amtierende Premier es sich gewünscht haben dürfte. So sorgte beispielsweise der hektische Abzug der Kanadier aus Afghanistan für politisches Ungemach. Außerdem baut sich seit Ende Juli eine neue Corona-Welle auf. Es hagelte Kritik, dass mitten in einer Pandemie nicht der richtige Zeitpunkt für eine Parlamentswahl ist. Und es gab weitere unerfreuliche Nachrichten: Die Inflation ist derzeit relativ hoch. Besonders das Thema teures Wohnen erhitzt die Gemüter. All dies hat dazu geführt, dass die Konservativen und die Liberalen in den Umfragen nun etwa gleichauf liegen. Das Ergebnis könnte also eine weitere instabile Minderheitsregierung sein.

 

Wirtschaftlich hat sich der Ausblick für Kanada zuletzt etwas eingetrübt. Im zweiten Quartal ist das BIP gegenüber dem Vorquartal sogar leicht geschrumpft. Die globalen Materialknappheiten machen der Industrie zu schaffen. Dennoch dürfte Kanadas Wirtschaft 2021 und 2022 kräftig wachsen. Angesichts der hohen Impfquote von fast 70% (vollständig Geimpfte) dürften harte Lockdown-Maßnahmen nicht mehr verhängt werden. Die Erholung am Arbeitsmarkt und die hohen Ersparnisse der Verbraucher sind zudem gute Voraussetzungen für einen anhaltend starken Konsum. Außerdem dürfte die kanadische Wirtschaft über die Exporte von der expansiven Fiskalpolitik in den USA profitieren.

 

Was den kanadischen Dollar und die Bank of Canada betrifft, so scheinen die politischen Entwicklungen bislang eher eine Nebenrolle zu spielen. Nach Ankündigung der Neuwahlen Mitte August kam es nur kurzzeitig zu einer Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Der wesentliche Einflussfaktor ist zurzeit die Unsicherheit über den Zeitplan der Fed zur Abkehr von ihrer ultra-expansiven Geldpolitik. Die BoC betont den temporären Charakter der aktuell erhöhten Inflation in Kanada. Sie wird ihre Politik in Anbetracht der unsicheren Aussichten wohl vorerst unverändert lassen. Im Laufe des Jahres 2022 dürfte dann aber die Abkehr von der sehr lockeren Geldpolitik mit einer Leitzinserhöhung fortgesetzt werden.

 

Alexander Buhrow

Andrew Cossor


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