Türkei: Top-Performer beim Wachstum, aber Inflationsbilanz wenig erfreulich

Das Wachstum der türkischen Wirtschaft dürfte 2021 bei stattlichen 8,7% liegen, da sich der Ausblick durch eine solide Entwicklung in der ersten Jahreshälfte aufgehellt hat. Weltweit spielen nur sehr wenige Länder in dieser Liga und wenn dies doch der Fall ist, dann ist dort zuvor meistens (anders als in der Türkei) die Wirtschaftsleistung in 2020 deutlich geschrumpft. Das positive Konjunkturbild für die Türkei wird jedoch durch eine recht hohe Inflation getrübt. Im Jahresdurchschnitt dürfte diese 2021 bei 17,6% liegen. Damit ist die Teuerung bei den Verbraucherpreisen nicht nur das fünfte Jahr in Folge zweistellig, sondern liegt nur knapp unterhalb der 20%-Marke. In dieser Liga ist der Teilnehmerkreis auch sehr überschaubar.

 

Nach deutlichem Wachstum im ersten Quartal hat die türkische Wirtschaft auch in Q2 positiv überrascht, gegenüber Vorquartal wurde immerhin eine Steigerung um 0,9% gemeldet. Und dies trotz erheblicher Einschränkungen durch Corona-Auflagen im April und Mai. Solides Wachstum beim privaten Konsum, den Investitionen und auch beim Export sorgten in Q2 beim BIP für den vierten Anstieg in Folge.

 

Wie in vielen anderen Ländern ist der weitere Verlauf der Corona-Pandemie ein Unsicherheitsfaktor für die Konjunktur. Aber auch die Geldpolitik sorgt immer wieder für Unsicherheit. Dadurch lastet die Schwäche der Währung auf der Inflation. Im August kletterte die Inflationsrate auf 19,3%, in den kommenden Monaten ist nur mit einem sehr zögerlichen Rückgang zu rechnen.

 

Nach dem kräftigen Wirtschaftswachstum in diesem Jahr ist 2022 mit einem Zuwachs von knapp 4% zu rechnen. Im langjährigen Vergleich wäre das immer noch eine recht solide Entwicklung. Spätestens im Sommer 2023 müssen allerdings Parlaments- und Präsidentschaftswahlen durchgeführt werden, in den letzten Wochen wurde über vorgezogene Neuwahlen spekuliert. „So oder so“ dürfte Staatspräsident Erdogan sehr an einer guten Wirtschaftsbilanz gelegen sein. Derzeit treibt er mit Hochdruck eine Reform des Wahlrechts voran und plant rechtliche Schritte gegen Desinformationen in den sozialen Medien. Es bleibt abzuwarten, ob der Staatspräsident seinem Bekenntnis zu einer soliden Fiskalpolitik treu bleibt.

 

Dr. Christine Schäfer


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