MDAX 50: Weniger ist manchmal mehr

Im Zuge der Neuaufnahmeregelung in der DAX-Familie verliert der MDAX seine zehn größten Werte. Der MDAX wird dadurch wieder mittelgroß mit einer entsprechend dynamischen Aufstellung. Der Verlust an Marktkapitalisierung ist keinesfalls mit einem Bedeutungsverlust gleichzusetzen, denn vor allem chancenorientierte Anleger wissen das Wachstumspotenzial von Nebenwerten zu schätzen.

 

Im Zuge der neuen Aufnahmeregelung in der DAX-Familie verliert der MDAX seine zehn größten Einzeltitel an den großen Bruder DAX. Im Gegenzug werden fünf weitere Titel mit dem Small Cap-Index SDAX ausgetauscht. Der Index büßt hierdurch rund 48% seiner Marktkapitalisierung ein.

 

Mit Blick auf die neue Indexzusammensetzung fällt auf, dass sich die Gewichtung einzelner Sektoren merklich geändert hat. Unübersehbar ist die Reduktion in den Branchen Gesundheit, zyklischer Konsum sowie Industrie. Hier kommt insbesondere das Ausscheiden der Schwergewichte Airbus (Industrie), Siemens Healthineers (Gesundheit) sowie der Corona-Gewinner Zalando, Hellofresh, Puma und Shop Apotheke (zyklischer Konsum) zum Tragen. Allein die Größe der nun fehlenden Titel führt zu einer anteilsmäßigen Aufwertung aller übrigen Sektoren im Index, allen voran der Roh-, Hilfs- & Betriebsstoffe, der Finanzwerte sowie der Kommunikationsdienste. Während der DAX im Zuge seiner Erweiterung auch weiterhin seinem Ruf als Auto- und Industrie-Index gerecht wird, führt die Sektorrotation im MDAX zu einer breiteren und ausgeglicheneren Aufstellung über alle Branchen hinweg und damit zu einer stärkeren Diversifikation.

 

In Summe verliert der MDAX damit zwar an Marktkapitalisierung, jedoch nicht an Bedeutung für seine Anleger. Investoren beurteilen die Attraktivität eines Index nach Rendite-/Risikogesichtspunkten und der Fähigkeit ein Marktsegment adäquat abzubilden. Durch das Ablegen der Dominanz einzelner Großunternehmen kehrt der MDAX nun zu seiner ursprünglichen Bestimmung, dem Repräsentieren des Marktes mittelgroßer deutscher Börsenwerte, zurück. Genau hier steckt auch das langfristige Erfolgsrezept des Index, denn diese Nebenwerte versprechen ein hohes Wachstumspotenzial. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der MDAX sowohl langfristig als auch seit den Corona-Tiefständen den DAX in der Kursentwicklung übertreffen konnte. Nachfrageveränderungen während der Coronakrise haben die Aktienkurse und damit die Indexgewichte von Onlinehändlern und Freizeitausstattern massiv ansteigen lassen. Diese Erfolgsgeschichten verlassen nun den MDAX, wodurch konjunktursensible Sektoren wie Finanzwerte sowie Roh-, Hilfs- & Betriebsstoffe mehr in den Vordergrund treten. Aufgrund dieser Neuausrichtung ist der MDAX-Anleger bestens aufgestellt, um an der erwarteten Konjunkturbelebung zu partizipieren. 

 

Sven Streibel

 

 

 

 

 


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