Die wichtigsten Fragen der Altersvorsorge

Im Bundestagswahlkampf spielt die Finanzierung der Rente bislang nicht die zentrale Rolle, die ihr angesichts der ökonomischen Brisanz in den kommenden Jahren eigentlich zukommen sollte. Heute leben in Deutschland mehr als 21 Millionen Rentner, so viele wie nie zuvor. In den Jahren zwischen 2025 und 2035 wird die Zahl der Beschäftigten jährlich um mehrere Hunderttausend Personen abnehmen und die Zahl der Rentner weiter kräftig steigen. Dafür ist das gegenwärtige System der Altersversorgung nicht ausreichend gerüstet.

 

Bereits in der zu Ende gehenden Legislaturperiode wurde es versäumt, eine Antwort auf den demographischen Wandel zu finden, die künftig wenigstens ein ausreichendes gesetzliches Rentenniveau bei tragbaren Beitragssätzen ermöglicht, ohne dass ein immer größerer Bundeszuschuss für die Rentenkasse erforderlich wird. Und auch die private kapitalgedeckte Altersvorsorge, die ein über die Grundsicherung hinausgehendes angemessenes Rentenniveau ermöglichen soll, muss dringend überarbeitet werden. Zum einen betreiben viele Menschen immer noch keine oder nicht ausreichend private Altersvorsorge. Und zum anderen ist der kapitalgedeckten Altersvorsorge, die insbesondere auf der Kapitalanlage in sicheren Rentenpapieren fußt, durch die anhaltende Extrem-Niedrigzins-Phase ein Standbein des Vermögensaufbaus weggebrochen.

 

Eine „doppelte Haltelinie“ für Rentenniveau und Beitragssatz ist sinnvoll, um die Lasten des demographischen Wandels nicht einseitig bei Rentnern oder Beitragszahlern abzuladen. Wirklich generationengerecht ist eine Reform der gesetzlichen Rente aber erst, wenn es außerdem eine dritte Haltelinie gibt, die den Bundeszuschuss für die Rentenkasse auf die Ausgaben für versicherungsfremde Leistungen fixiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich auf ein deutlich höheres fixes Rentenalter festlegen muss. Besser wäre ein flexibler Rahmen für den Renteneintritt, der zwar unbedingt an den Notwendigkeiten der Finanzierbarkeit ausrichtet werden muss, der den Menschen aber bewusster Entscheidungsspielraum gibt, über den Zeitpunkt des Renteneintritts ihr persönliches Rentenniveau zu bestimmen. Das eröffnet auch die Möglichkeit, durch eine höhere private Vorsorge früher in Rente gehen zu können.

 

Bei der privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge steht vor allem die Riester-Rente im Fadenkreuz der Kritik. Sie gilt als zu bürokratisch, weshalb längst nicht alle Menschen in der Zielgruppe erreicht werden und den Anbietern hoher Verwaltungsaufwand entsteht. Zudem fußen die meisten Verträge bei der Kapitalanlage auf sicheren Wertpapieren, die niedrige oder gar negative Renditen aufweisen. Eine Entbürokratisierung der Riester-Rente oder ein Nachfolgeprodukt muss vor allem beim Verfahren zur Gewährung der staatlichen Zulagen ansetzen und den Kreis der Zulagenberechtigten auf alle unbeschränkt Steuerpflichtigen ausdehnen.  Außerdem muss die 100%-Garantie für Beiträge und Zulagen gelockert werden, um den Anbietern Spielraum für vorsichtig mehr Kapitalanlage mit besseren Renditechancen zu ermöglichen.

 

Dr. Michael Holstein, Economist

Michael Stappel, Economist


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