Grüner Stahl - geht das? Ja, mit Wasserstoff!

Um den Klimawandel zu stoppen, müssen die CO2-Emissionen deutlich sinken. Die EU hat sich mit dem Green Deal eine Reduktion um 55% bis 2030 auf die Fahnen geschrieben. 2050 will Europa klimaneutral sein, Deutschland schon 5 Jahre früher. Dies kann nur gelingen, wenn auch die Industrie kräftig CO2 reduziert.

 

Die Stahlindustrie ist für 10% des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Das bei der Herstellung freigesetzte CO2 wiegt mehr als der produzierte Stahl selbst! Der Hebel für mehr Klimaschutz ist also groß. Sollte es gelingen, die Stahlproduktion zu dekarbonisieren, könnte Deutschland rund 30% der industriellen CO2-Emissionen einsparen.

Rund 73% des weltweiten Stahls wird über die Hochofenroute gewonnen. Die Verwendung von Kokskohle als Reduktionsmittel führt zu erheblichen Treibhausgasfreisetzungen. Der aussichtsreichste Ansatz dies zu ändern, ist die Direktreduktion mit Wasserstoff. Wenn dieser Wasserstoff „grün“ ist, also mit Ökostrom produziert wird, beträgt die Ersparnis beim CO2 bis zu 95%.

Dazu werden gigantische Mengen an grünem Wasserstoff benötigt. Die deutsche Stahlindustrie allein bräuchte jährlich 2 Mio. Tonnen. Wollte man die mit grünem Strom herstellen, wären 12.000 zusätzliche Windräder erforderlich. Deshalb sehen sowohl der EU-Plan „Fit-for-55“ als auch deutsche Initiativen milliardenschwere Förderungen für die (grüne) Wasserstoffinfrastruktur vor.

Die Transformation bietet erhebliche Chancen für mehr Umweltschutz. Sie stellt den Sektor aber auch vor große Herausforderungen und wird hohe Investitionen erfordern. Insbesondere muss der teurere grüne Stahl wettbewerbsfähig werden, sonst drohen Produktions- und Emissionsverlagerungen ins „nicht-so-grüne“ Ausland.

Genauso wie tiefgreifende langfristige Transformationen für Unternehmen mit großen Unsicherheiten behaftet sind, ist es auch für Investoren nicht trivial, sich intelligent zu positionieren. Wasserstoff-„Pure Plays“ wie NEL, Plugpower, Powercell oder Ballard Power waren und sind teils sehr hoch bewertet und enttäuschten Anleger zuletzt. Für Stahlunternehmen bedeutet die Umstellung auf Jahre hinaus hohe Investitionen. Und auch die ansonsten häufig erfolgreiche Investition in die Zulieferer eines Trends ist keine Garantie für Stabilität im Depot.

Aus unserer Sicht könnte eine olympische Strategie („dabei sein...“) vorteilhaft sein. Darunter verstehen wir Unternehmen, die beim grünen Wasserstoff „dabei“ sind, aber eben auch ansonsten operativ gut unterwegs und somit aussichtsreich sind.

Michael Kopmann


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