Aktienmärkte im Teflon-Modus

Politische Fehler stellen das offensichtlichste Risiko für die Märkte dar. Seit Wochen deuten die Veränderungen bei den Wirtschaftsdaten auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums hin, die Zinssätze sind gesunken, der Dollar ist gestiegen und die Rohstoffe haben etwas korrigiert.


Nach Ansicht der Bären scheint dieses Bild darauf hinzudeuten, dass ein Tapering der Fed in diesem Herbst eine Wachstumsangst auslösen könnte und die Fed somit zum falschen Zeitpunkt mit dem Tapering begonnen hätte, was zu einer weiteren Konjunkturschwäche und schließlich zu einem Börsensturz führen würde.

Wir sind trotzdem der Meinung, dass es unklug wäre, sich vom Aktienmarkt zu verabschieden, da die die Stärke dieses Kursaufschwungs bemerkenswert ist. Allein 2021 hat der S&P 500 48 neue Höchststände erreicht. Die Zuwächse sind geringer als im Jahr 2020 und passen zu einem weniger extremen Jahr 2021.

Sorgen machen muss diese Entwicklung nicht. Der Blick auf das Shiller-KGV zeigte zwar, dass etwa 120 Jahre lang, von den 1870er bis zu den 1980er Jahren, der US-Aktienmarkt zuverlässig zu seiner langfristigen Durchschnittsbewertung zurückkehrte, und, was ebenso wichtig ist, er verbrachte ungefähr gleich viel Zeit über und unter diesem Durchschnitt. Die Anleger konnten daher davon ausgehen, dass ein teurer Markt billiger und ein billiger Markt teurer werden würde.

Die Frage ist, inwieweit diese Zusammenhänge noch gelten, schließlich sind die Zinsen in den letzten 40 Jahren gefallen und bleiben auch künftig niedrig. Tatsächlich ist der S&P 500 seit 1990 nur selten unter seine langfristige Durchschnittsbewertung gesunken, mit der bemerkenswerten Ausnahme der Zeit um die Finanzkrise 2008. Weder die Dot-Com-Pleite Anfang der 2000er Jahre noch der durch Covid ausgelöste Ausverkauf im letzten Frühjahr konnten den Markt bremsen.

Da die Volatilität moderat ist und der Aufwärtstrend bei den Gewinnen anhält, scheint das Warten auf große Rücksetzer am Aktienmarkt keine sinnvolle Strategie. Es war in den letzten Monaten sehr profitabel, sich an die klassischen Börsenmantras „the trend is your friend“ und „don´t fight the fed“ zu halten. Anleger, die praktisch jede Kursdelle gekauft haben, wurden belohnt.

Die meisten rezessionsfreien Korrekturen von über 15% in den letzten 25 Jahren begannen unter Bedingungen, die keinem bestimmten Muster unterliegen. Sie beginnen jedoch in der Regel mit einem stark „überkauften Zustand“ (so nennen es Charttechniker) und übermäßigem Optimismus. Wir können nicht vorhersagen, wann die Party enden wird, aber wir glauben, dass die vorherrschende Stimmung weder einen Zustand „starker Überkauftheit“ noch „übermäßigen Optimismus“ darstellt. Zudem sind auch bei vielen Qualitätsunternehmen wie den FANMAG-Werten die Bewertungsmultiplikatoren gesunken und die Fundamentaldaten haben sich verbessert. Hier baut sich weiteres Kurspotenzial auf. Die Aktienmärkte bleiben damit im „Teflon-Modus“, der eine Fortsetzung der Rallye bis in das Jahr 2022 hinein wahrscheinlich macht.

-- Christian Kahler


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