Fed-Meeting in Jackson Hole: Tapering Ahoi!

Auch wenn sich Tauben und Falken im geldpolitischen Rat der Fed derzeit sicherlich nicht immer einig sind, eines steht fest: die Fed wird ihre Tapering-Pläne nun endlich konkretisieren. Das kommende Treffen in Jackson Hole bietet sich hierfür an, spätestens die September-Sitzung sollte jedoch Klarheit bringen. Das Timing hängt sicherlich auch von der aktuellen Lage ab: angesichts steigender Delta-Infektionen und wachsender Konjunktursorgen wäre es durchaus verständlich, sollte sich die Fed ein paar Wochen mehr Zeit gönnen, bevor sie ihre geldpolitische Trendwende in die Wege leitet.

 

Aus Sicht des Finanzmarktes wird es kaum einen Unterschied machen. Das Tapering der Fed ist voll eingepreist, größere Turbulenzen sind zum Zeitpunkt der Ankündigung also nicht zu erwarten. Zumal wir weiterhin davon ausgehen, dass das Tapering-Programm äußerst vorsichtig ausgestaltet wird und dem Schema aus 2015 folgt. Damals hatte die Fed ihre Ankäufe um 10 Mrd. USD pro Monat reduziert. Auf das Jahr 2022 übertragen bedeutet dies, dass die Bilanzausweitung erst im August vollkommen zum Stillstand kommt. Zwar wird hier und da über eine schnellere Rückführung der Käufe spekuliert, wir sehen jedoch keine Veranlassung für die Fed, härter als unbedingt notwendig auf die geldpolitische Bremse zu treten. Heute ehrlicherweise noch weniger als vor einem Monat. Denn es ist nicht zu leugnen, dass sich die Lage seit der letzten Fed-Sitzung verschlechtert hat. Die Erkenntnis, dass auch Menschen mit doppelter Impfung Corona bekommen und weitergeben können, sorgt für große Verunsicherung. Zwar ist es der Zentralbank fraglos freigestellt, eine begonnene Rückführung expansiver Maßnahmen zu pausieren oder, wenn notwendig, sogar umzukehren. Zumindest zum Startpunkt dürften die Verantwortlichen jedoch ein hohes Maß an Vertrauen in ihre Entscheidung haben wollen.

 

Weit größere Unsicherheit als über das Tapering-Programm herrscht bei der Frage, wann die Fed beginnen kann, ihren Leitzins hochzuschrauben. Derzeit preist der Markt eine erste volle Zinserhöhung bis Ende 2022 ein. Und trotz der zuletzt zunehmenden Sorge um die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung in den USA ist bislang nicht zu erkennen, dass es hieran ernsthafte Zweifel gibt. Wir bleiben mit unserer Prognose für eine erste Zinserhöhung jedoch vorsichtiger und veranschlagen sie für die zweite Jahreshälfte 2023.

 

-- Sonja Marten


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