Japans Wirtschaft wächst im zweiten Quartal mit etwas mehr Schwung als erwartet

Japans Wirtschaft ist im zweiten Quartal mit +0,3% gegenüber dem Vorquartal etwas stärker gewachsen als erwartet. Zugleich wurde vom Statistikamt der Konjunkturrückschlag vom ersten Quartal ganz leicht von -1,0% auf nur noch -0,9% revidiert.

 

Es war vor allem ein starker Umschwung beim Konsum, der zum jüngsten Wirtschaftswachstum geführt hat. Die Ausgaben der privaten Haushalte stiegen immerhin um 0,8% (Q/Q) und holten damit den Verlust vom Vorquartal (-1,0%) nahezu auf. Ein Grund dafür waren unter anderem deutlich billigere Telefongebühren, die die realen Kommunikationsausgaben entsprechend erhöht haben. Auch die Anlageinvestitionen der Unternehmen und des Staates lagen mit +1,1% deutlich im Plus, der Rückschlag bei den Investitionsausgaben vom Jahresbeginn wurde mehr als wettgemacht. Die Konsumausgaben des Staates legten dagegen nur um 0,5% zu, u.a. weil die Zuschüsse für den Inlandstourismus („Go-to-Travel“-Programm) Corona-bedingt ausgesetzt wurden.

 

Schließlich hat auch der Exportsektor Japans Wirtschaft diesmal – wie schon in den drei Vorquartalen – klar gestützt, die Ausfuhren legten im Zuge reger Nachfrage aus den USA und aus China um knapp 3% zum Vorquartal zu, nach 2,4% in Q1. Alle wichtigen Nachfrageaggregate lagen damit klar im Plus. Dass das BIP-Wachstum dennoch nur etwas über der Null-Linie lag, ist mit den Importen zu erklären, die mit 5,1% noch stärker zulegten als im Vorquartal, als sie 4,0% erreichten. Sie haben den BIP-Zuwachs damit praktisch „ausgebremst“.

 

Trotz verlängerter Anti-Corona-Maßnahmen im Mai und Juni scheint sich die japanische Wirtschaft von dem Schock der Pandemie zu erholen. Dies gilt vor allem für die Konsumlust der privaten Haushalte. Wenn Japans exportstarke Unternehmen, etwa aus der Autoindustrie und dem IT-Bereich, nicht unter den akuten Produktionsengpässen bei Vorprodukten und entsprechenden Lieferproblemen gelitten hätten, wären die Exporte vor der Jahresmitte wohl noch deutlich höher ausgefallen. Die Lieferengpässe bei IT-Chips werden aber noch eine Zeitlang fortbestehen und den Konjunkturausblick etwas bremsen. Dasselbe gilt aber vor allem für die Risiken aus der neuesten Corona-Welle, die durch die Delta-Mutante ausgelöst worden ist. Japan erlebt derzeit rekordhohe Neuinfektionen. Notstandsregeln sollen nun bis mindestens Ende August in Kraft bleiben. Vor diesem Hintergrund haben wir trotz der insgesamt unerwartet guten Wirtschaftszahlen aus dem zweiten Quartal unsere BIP-Prognose für Japan nicht erhöht. Sie bleibt einstweilen bei 2,4% für dieses und nächstes Jahr.

 

Dr. Rütger Teuscher


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