DZ BANK Euro-Indikator: Der Konjunkturoptimismus beginnt zu schwinden

Seit dem Frühsommer ist der kräftige Anstieg des Euro-Indikators ins Stocken geraten. Bis April 2021 hatte sich unser Frühindikator für die EWU-Konjunktur kräftig erholt und sogar sein Vorkrisenniveau deutlich übertroffen. Seit Mai geht es in der Tendenz aber nur noch seitwärts. Im Juli ist der Euro-Indikator nun gegenüber dem Vormonat um 0,1% gesunken und steht bei 102,2 Punkten.

Aktuell ist vor allem bei den Stimmungsindikatoren, die sich zumindest bis ins Frühjahr 2021 kräftig erholt hatten, eine Abflachung zu beobachten. So war etwa das Verbrauchervertrauen im Juni 2021 auf den höchsten Wert seit Anfang 2018 angestiegen. Der Konjunkturoptimismus der privaten Haushalte ist bis Juni 2021 sogar auf den höchsten Wert seit Umfragebeginn 1985 angestiegen, was sicherlich mit der Erwartung einer dynamischen Erholung im Zusammenhang mit der Rücknahme sämtlicher Corona-Beschränkungen zusammenhängt. Im Juli gab es hier einen leichten Dämpfer, die Stimmung unter den Konsumenten ist aber insgesamt nach wie vor sehr positiv.   

In der Industrie war – bezogen auf die Produktionserwartungen für die kommenden zwölf Monate – in den Frühjahrsmonaten ebenfalls ein Allzeithoch erreicht worden. Seit April geht es hier ebenfalls wieder leicht abwärts, aber auch hier bleibt der Optimismus weiterhin groß. Das zeigt auch das Stimmungsbild unter den europäischen Einkaufsmanagern. Der IHS Markit-Einkaufsmanagerindex signalisiert nunmehr seit einem Jahr ununterbrochenes Wachstum, getragen von einer sehr kräftig expandierenden Nachfrage. Der Auftragszuwachs war im Juli gemäß der aktuellen Umfrage weiter stark, der entsprechende Index notierte abermals nur knapp unter dem Rekordwert von März.

An den europäischen Aktienmärkten hat sich der Kursaufschwung – gemessen am MSCI-Index für den Euro-Raum – im Sommer gleichfalls abgeschwächt. Im Juli 2021 gab es im Vergleich zum Durchschnitt des Vormonats erstmals seit dem letzten Herbst wieder ein leichtes Minus. Auch an den Staatsanleihemärkten scheint zuletzt etwas mehr Skepsis in Bezug auf die Konjunkturaussichten eingekehrt zu sein. Die Rendite von Bundesanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit sank im Juli-Durchschnitt auf den tiefsten Wert seit Februar.

 

-- Dr. Michael Holstein

 


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