Gold gibt sich nur mit der Bronzemedaille zufrieden

Bei den Olympischen Spielen in Tokio begeben sich die Athleten derzeit auf Medaillenjagd. Es kann aber durchaus passieren, dass einige Favoriten nicht an die positiven Trainingsresultate aus 2020 anknüpfen können und möglicherweise nur etwas enttäuschend auf dem dritten Rang landen. Analog ist die Lage bei Gold zu sehen. Das glänzende Edelmetall befand sich 2020 bei Preisen oberhalb von 2.000 USD sogar zeitweise im Höhentrainingslager und die Anleger als „Trainerstab“ waren sehr zufrieden. Aber die Leistungen bleiben 2021 hinter den Erwartungen zurück. Die konjunktursensitiven Rohstoff-Athleten, wie Rohöl und Kupfer, die ihre Vorbereitungen 2020 teilweise im Performance-Eisbecken bei 20 USD je Barrel (aktuell: 75) respektive 4.600 USD je Tonne (9.761) absolvierten, laufen Gold den Rang ab.

 

Gold kam im 1HJ2021 unter Druck, weil die Realzinsen, welche die Opportunitätskosten des Goldbesitzes darstellen, zunächst kräftig gestiegen sind. Mittlerweile hat sich das aber wieder etwas gelegt, sodass Gold von seinem Jahrestief steigen konnte. Die vorausgegangene Abwärtsbewegung wurde zusätzlich von einem stärkeren USD und vor allem der Zurückhaltung der Investoren, die wegen der wirtschaftlichen Erholung eher auf konjunktursensitivere Assets setzten, dynamisiert.

 

Die Ausbreitung der Corona-Delta-Variante sowie die noch anziehende Inflation dürften den Goldpreis auf kurze Frist wieder etwas antreiben. Zwar werden die Realrenditen der US-Staatsanleihen mit Blick auf 2022 etwas steigen, aber wohl noch auf absehbare Zeit im negativen Terrain verharren, sodass Gold - um im olympischen Bild zu bleiben - seine Bronzemedaille verteidigen kann. Es dürfte also keinen massiven Abverkauf der Anleger geben. Allerdings wird der Gegenwind mit einer Tapering-Ankündigung der Fed, die in Jackson Hole Ende August möglich erscheint, zunehmen. Der Post-Corona-Boom wird durch die Delta-Variante eine holprigere Wegstrecke einschlagen, aber sich dennoch einstellen. Der Rückgang der Investmentnachfrage wird 2022 nicht durch einen Anstieg der Schmucknachfrage ausgeglichen. Daher sehen wir den Goldpreis in 12 Monaten bei 1.700 USD. Risiko für unsere Prognose nach unten wäre eine dauerhaft hohe Inflation, welche die Fed zu einer restriktiveren geldpolitischen Gangart verleiten würde. Ein Ausbleiben des Post-Corona-Booms hingegen stellt ein Risiko nach oben dar. Beides erwarten wir jedoch in unserem Basisszenario nicht.

 

-- Gabor Vogel


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