Chinesischer Aktienmarkt: Ein unwägbares Risiko

Die jüngste Talfahrt lässt chinesische Aktien günstig erscheinen. Für ausländische Aktionäre besteht jedoch die Gefahr, dass die ADRs von den US-Börsen genommen werden. Eine solche Entscheidung hätte katastrophale Folgen für das Image des chinesischen Kapitalmarktes. Anleger wären einem totalen Verlustrisiko ausgesetzt.

Die Wettbewerbsbehörden in den USA und der EU haben "Big Tech"-Unternehmen seit Langem im Visier. Nun geht China gegen die eigenen Internetunternehmen vor. Auffallend ist, dass sich Chinas Maßnahmen nicht gegen alle Technologieunternehmen richten, sondern nur gegen die Internet-Softwareunternehmen. Unternehmen, die Elektronikhardware herstellen, bleiben dagegen verschont.

Seit Jahren versucht China mit aller Macht, eine heimische Halbleiterindustrie von Weltrang aufzubauen, und unterstützt dies mit riesigen Investitionssummen. Bereits vor einigen Monaten betonte Präsident Xi, dass "Hard Tech" wertvoller sei als Produkte, die "nur" das Internet verbessern: Die grundlegende Bedeutung der Realwirtschaft müsse anerkannt und eine Deindustrialisierung vermieden werden. Das harte Durchgreifen gegen die chinesische Internetbranche könnte eine Etappe einer sich ohnehin im Wandel befindlichen nationalen Industriepolitik sein.


Grundsätzlich dürften die ergriffenen Maßnahmen aber keine nennenswerten Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung chinesischer Internetunternehmen haben. Die künftigen Wachstumsaussichten bleiben positiv.

Es bleibt jedoch fraglich, inwieweit die Anleger daran interessiert sind, in einen Aktienmarkt zu investieren, an dem über Nacht die Regeln zum Nachteil der Anleger geändert werden.

Der Kursrückgang bei den meisten Aktien hat auch deren Bewertungen deutlich reduziert. Für die Aktionäre chinesischer Unternehmen besteht jedoch die Gefahr, dass die ADRs von den US-Börsen genommen werden. China könnte so die mögliche Offenlegung sensibler Daten gegenüber den US-Behörden verhindern.

Die Risiko-Ertrags-Abwägung legt nahe, dass die Aktienkurse verschiedener chinesischer Unternehmen in einigen Jahren deutlich höher sein könnten als heute. Es ist jedoch denkbar, dass China internationalen Investoren verbieten könnte, über die bestehenden Kanäle in seine eigenen Unternehmen zu investieren. Eine solche Entscheidung hätte katastrophale Folgen für das Image des chinesischen Kapitalmarktes. Die Anleger wären einem totalen Verlustrisiko ausgesetzt.

Es ist durchaus möglich, dass sich die Aktienkurse in China nach den Turbulenzen der letzten Wochen zunächst kräftig erholen. Das Risiko für die längerfristige Anlageperformance ist jedoch sehr hoch, sodass wir eine Investition in chinesische Aktien für unser DZ BANK Asset Allocation-Portfolio derzeit nicht in Betracht ziehen.


-- Christian Kahler


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