US-Notenbank: Ein kleiner Schritt in Richtung Normalisierung

Aus zwei Gründen war die Einschätzung der US-Währungshüter auf dem jüngsten Treffen des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank aus unserer Sicht leicht aggressiver (hawkisher) als erwartet. Zum einen hat die Fed bestätigt, dass die Wirtschaft Fortschritte hinsichtlich ihrer Ziele macht. Im Klartext bedeutet dies, dass die Voraussetzungen für eine Rückführung der Anleihekäufe schon bald gegeben sein könnten – auch wenn man momentan noch nicht so weit sei. Zum anderen deutet das Statement der Fed darauf hin, dass die negativen Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft nachlassen. Insgesamt bieten die Impfungen laut der Fed einen guten Schutz gegen das Virus, wenngleich Risiken bestünden. Die derzeit hohe Inflationsrate bleibt laut Powell temporär. Es komme also nicht zu einem nachhaltigen und stetigen Anstieg der Teuerungsrate.

Der Markt ist vorbereitet
Powell hat bei seiner Pressekonferenz keinen exakten Zeitplan oder auch nur einen möglichen Streckenverlauf des Tapering-Prozesses gegeben. Dabei ist fast allen Marktteilnehmern klar, dass die Diskussionen um ein baldiges Zurückfahren der Anleihekäufe innerhalb der Fed offensichtlich schon längst begonnen haben. Das deutliche Zeichen der jüngsten FOMC-Sitzung, wonach die Volkswirtschaft in den letzten Monaten Fortschritte hinsichtlich der Ziele der Fed gemacht hat, kann als systematische Vorbereitung der Marktteilnehmer auf eine Änderung der Geldpolitik interpretiert werden. Die moderate Reaktion der Märkte zeigt, dass die Rückführung der Wertpapierkäufe von den meisten Marktteilnehmern erwartet wird. Der Markt scheint vorbereitet, so dass die tatsächliche Ankündigung einer Rückführung der Anleihekäufe die Rentenmärkte nicht erschüttern sollte.

Ankündigung wohl im Herbst
Powell könnte auf seiner Rede in Jackson Hole mehr Details über eine mögliche Rückführung der Anleihekäufe geben. Mit einer Arbeitslosenquote von aktuell 5,9% bleibt der US-Arbeitsmarkt noch ein Stück weit vom Vollbeschäftigungsniveau entfernt, während die konjunkturelle Unsicherheit angesichts der grassierenden Delta-Variante des Corona-Virus zugenommen hat. Wir bleiben daher bei unserer Meinung, dass die Fed frühestens im Herbst einen Plan zur Reduzierung der Anleihekäufe bekannt geben wird. Die Umsetzung dieser Tapering-Pläne dürfte dann zu Beginn des Jahres 2022 in die Wege geleitet werden. Eine Leitzinserhöhung stehe nicht auf dem Radar der Fed, so Powell.

 

-- Birgit Henseler


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