Delta trifft Spanien & Portugal

Die iberische Halbinsel wird abermals von einer heftigen Corona-Welle heimgesucht. Galt Portugal im Laufe des Frühjahrs noch als Musterbeispiel für ein Land, das die Neuinfektionen auf ein sehr niedriges Niveau bringen konnte, liegt die Sieben-Tages-Inzidenz inzwischen wieder bei über 200. In Spanien steigt die Inzidenz sogar noch drastischer an und hat Anfang dieser Woche sogar die Marke von 400 überschritten. Neben der Rücknahme von Restriktionen und den großen Touristenströmen aufgrund der Urlaubssaison stehen die erneuten Corona-Wellen in den beiden Nationen auch in einem Zusammenhang mit der Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus.

Grundsätzlich birgt die neue Corona-Welle erhebliche Risiken. Die konjunkturelle Erholung könnte ins Stocken geraten – zumal beide iberischen Nationen stark vom Tourismus abhängen und dieser als Teil des Dienstleistungssektors an vorderster Front von Restriktionen betroffen ist. Zudem rät das Auswärtige Amt aktuell vor Reisen nach Spanien ab und warnt sogar vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Portugal. Medienberichten zufolge könnte Spanien durch die Bundesregierung nun auch zum „Hochinzidenzgebiet“ erklärt werden. Frankreich rät bereits seit zwei Wochen von Reisen in die beiden Länder ab. Dies ist eine Belastungsprobe für die Konjunktur auf der iberischen Halbinsel. Der spanische Tourismusverband hat bereits einen „plötzlichen Rückgang“ bei den Buchungen von ausländischen Touristen verzeichnet und äußerte sich daher pessimistisch über den weiteren Verlauf der Urlaubssaison 2021. Aber nicht nur die Konjunktur, sondern auch die fiskalische Situation in den hoch verschuldeten Ländern könnte sich schnell wieder verschlechtern.

Trotz dieser grundsätzlichen Risiken aus einer Corona-Infektionswelle haben die iberischen Staatsanleihemärkte die vergangenen Wochen gut überstanden. Zwar sind die Risikoprämien für spanische und portugiesische Anleihen leicht angestiegen, nichtsdestotrotz liegen die Notierungen nach wie vor auf vergleichsweise niedrigen Niveaus. Die bisher eher schwache Reaktion der Märkte ist vor allem auf das Pandemie-Notfallprogramm der EZB zurückzuführen, das größere Kursausschläge verhindert hat.


-- Sebastian Fellechner


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