Rohöl: Anleger schalten in Risk-Off-Modus

Die Meldung des gestrigen Tages am Rohölmarkt war, dass sich die Opec+ geeinigt hat, die Produktion ab August pro Monat schrittweise um 0,4 Millionen Barrel pro Tag (MMBD) zu erhöhen. Die Streitereien der letzten Wochen wurden offensichtlich beigelegt. Die Vereinigten Arabischen Emirate bekommen die gewünschten höheren Referenzwerte („Base Lines“). Dies werten wir als positiv für den Ölpreis, weil einer zukünftig ungeordneten Produktionserhöhung nun erfolgreich ein Riegel vorgeschoben wurde.

Dass der Ölpreis gestern so kräftig fiel, ist unseres Erachtens eher eine Folge daraus, dass der breite Markt in einen Risk-Off-Modus schaltete. Neben Rohöl wurden auch zum Beispiel die Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Häufig ist aktuell auch zu lesen, dass der Opec-Deal diese Abwärtsdynamik auslöste. Diese Einschätzung teilen wir jedoch nicht. Vielmehr machen die steigenden Corona-Fallzahlen die (Rohöl-) Anleger nervös.

Allerdings ist die Rohölnachfrage sehr robust und dürfte im weiteren Jahresverlauf weiter spürbar zulegen („Post-Corona-Boom“). Die Produktionserhöhungen gefährden die von uns veranschlagte Sommer-Preisspitze bei Rohöl (3-Monatsprognose: 78 USD) nicht – im Gegenteil, die Einigung dürfte die Förderdisziplin der OPEC-Mitglieder vorerst stärken. Außerdem hält sich die Opec+ weiter offen, ab September einmal monatlich ihre Strategie anzupassen. Es ist daher immer auch damit zu rechnen, dass das erweiterte Kartell, je nach Marktlage, wieder den Fuß vom Fördererhöhungs-Pedal nehmen könnte. Sofern die steigenden Corona-Fallzahlen keinen erheblichen weltwirtschaftlichen Schaden verursachen - wovon wir ausgehen -, bleibt der Rohölmarkt bis in den Herbst extrem knapp. Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Ölpreis langfristig in seine fundamentale Komfortzone zwischen 60 und 70 USD zurückbewegt.

-- Gabor Vogel


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