Neuseelands RBNZ lädt ein zur Leitzins-Party

Seit geraumer Zeit sehen wir Neuseeland in unserer Prognose ganz weit vorne im Rennen um die erste Leitzinserhöhung unter den G10-Ländern. Jetzt ist die RBNZ auf dem besten Weg, den bisherigen Spitzenreiter Norwegen auf der Zielgerade zu überholen. Sie hat kürzlich nicht nur ihr QE-Programm überraschend früh für beendet erklärt, sondern auch ein ungemein euphorisches Bild der Wirtschaft gezeichnet, welches eine Leitzinswende schon in Kürze greifbar macht. Derzeit preist der Markt eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte bereits für August zu 80% ein. Ginge es nach dem Geldmarkt, wären es auf Jahressicht insgesamt knapp vier Schritte nach oben (bzw. 90 Basispunkte Anhebung). Auch wenn Neuseelands Währungshüter traditionell ein Faible für eine sehr dynamische Geldpolitik haben (sowohl nach oben als auch nach unten), halten wir diese Spekulationen dann doch für etwas ambitioniert.

 

Angesichts der globalen Risiken halten wir ein Abwarten bis Oktober (oder vielleicht sogar bis November) für angemessen. Insbesondere eine besonnen agierende US-Notenbank, die Tempo aus der ihr marktseitig unterstellten Exit-Dynamik nimmt, könnte hier deeskalierend wirken. Auch das längerfristige Inflationsprofil könnte sich entspannter entwickeln als nach den jüngsten CPI-Zahlen befürchtet wird. Dabei nährt sich die Erwartung einer RBNZ-Leitzinswende nicht ausschließlich aus dem aktuellen Inflationsschub. Abgerundet wird das Profil durch die robuste Konsumnachfrage, ein überschäumendes Geschäftsklima, den zur Überhitzung neigenden Immobilienmarkt, Engpässe am ausgelasteten Arbeitsmarkt und nicht zuletzt den erfolgreichen Kampf gegen Covid-19.

 

Dass die RBNZ nicht nur eine im G10-Vergleich frühe Zinswende plant, sondern es auch kaum bei diesem einen Schritt belassen wird, ist für die renditehungrigen Investoren ein willkommenes Kaufargument für den Neuseeländischen Dollar. Dies dürfte ihn auch besser gegen mögliche Wellen Delta-bedingter, globaler Risikoaversion immunisieren als viele andere High-Beta-Währungen. Dennoch sehen wir auf die kurze Sicht kaum noch NZD-Potenzial, dafür hat der Markt bereits zu viel Leitzinsphantasie eingepreist. Somit liegt das Risiko vorerst eher in der Erkenntnis, dass die RBNZ mit einem bedächtigeren Pfad immer noch gut bedient ist. Ein solcher Realitätscheck wiederum würde den NZ-Dollar zwar nicht abstürzen lassen, sollte ihn vor einem verfrühten Höhenflug abhalten. Ein solches Innehalten würde perfekte Einstiegsmöglichkeiten für langfristige Engagements bieten.

 

-- Dorothea Huttanus


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Bernhard Wagner

18.07.2021 um 11:32

Gute Darstellung der wichtigsten Zusammenhänge

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