EZB Preview: APP 2.0 – neues Kaufprogramm mit Pepp?

Die anstehende EZB-Ratssitzung wird spannender als ursprünglich erwartet. So sind unter anderem Anpassungen beim einleitenden geldpolitischen Statement geplant. Zielsetzung ist hierbei, die Beschlüsse des EZB-Rats für eine breitere Öffentlichkeit nachvollziehbarer zu machen. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass die Notenbank-Oberen ihre Forward Guidance für die Leitzinsentwicklung an das neue EZB-Inflationsziel anpassen werden. Das Hauptaugenmerk der Marktakteure liegt allerdings vor allem auf den Anleiheankaufprogrammen. Denn in einem Zeitungsinterview hatte Christine Lagarde jüngst Spekulationen genährt, dass die Notenbank möglicherweise sogar ein neues Anleiheankaufprogramm ins Leben rufen könnte, um gegen zukünftige Krisen gewappnet zu sein.

 

Die bisherigen Ankaufprogramme haben sich zwar bislang durchaus bewährt, sind aber nicht gänzlich frei von Tücken. Der Charme des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) besteht vor allem darin, dass die Wertpapierkäufe sehr flexibel durchgeführt werden können. Allerdings ist das Ankaufprogramm mit Blick auf die Corona-Pandemie ins Leben gerufen worden. Rückt diese Krise perspektivisch wieder in den Hintergrund, wird die Notenbank nicht umhin kommen, das Kaufprogramm zu beenden. In direkten Vergleich hat das Asset Purchase Programme (APP) zwar den Vorteil, dass es auf einen längeren Zeithorizont angelegt ist, Ratinganforderungen, ein Emissions- bzw. Emittentenlimit beschränken jedoch den Handlungsspielraum der Notenbank.

 

Um diesen Herausforderungen zu begegnen und der neuen Strategie Rechnung zu tragen, könnte die EZB in der kommenden Woche ein neues Kaufprogramm ins Leben rufen, welches die Vorteile der bislang bestehenden Programme (APP / PEPP) kombiniert bzw. etwas von der Flexibilität von PEPP in ein neues „APP 2.0“ überträgt. Wir gehen zwar nicht unbedingt davon aus, dass Lagarde bereits zur Juli-Ratssitzung einen finalen Plan hierfür aus der Schublade ziehen wird. Zumindest ein grober Entwurf könnte jedoch vorgestellt werden. Aus Sicht des Marktes wäre dies, je nachdem wie es formuliert wird, sicherlich als dovishes Signal seitens der EZB zu werten. Sie würde sich mit einer solchen Anpassung für eine langfristigere Fortführung der Anleihekäufe positionieren und ihre Position als Krisenmanagerin festigen.

 

-- Christian Reicherter


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