China: Konjunktur gefestigt – schwächere Wachstumsrate durch statistische Effekte

Chinas Konjunkturentwicklung ist im zurückliegenden zweiten Quartal in ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt, das zeigen die aktuellen Wachstumszahlen. Das Vorjahreswachstum hat sich mit dem Abebben der hohen Basiseffekte ein gutes Stück normalisiert und ist von seinem Rekordwert von 18,3% im ersten Quartal auf 7,9% zurückgefallen. Dass die Wachstumsrate dabei minimal unter den Erwartungen blieb, ist sicherlich kein Grund zur Beunruhigung – sie ist weiterhin leicht erhöht.

 

Die eigentlich positive Nachricht ist vielmehr, dass die Wirtschaft nach der Wachstumsdelle zum Jahresbeginn wieder an Dynamik gewonnen hat und vor allem Außenhandel und Industrie nicht von der wochenlangen Blockade des Containerhafens Yantian erkennbar in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das Vorquartalswachstum beschleunigte sich von schwachen 0,4% im ersten Quartal auf zuletzt 1,3%. Damit knüpft die chinesische Wirtschaft zwar weiterhin nicht an den hohen Schwung vom vergangenen Jahr an, als die kräftige Export-Sonderkonjunktur eine schnelle Erholung von der Corona-Rezession am Jahresanfang ermöglichte, wohl aber an das Wachstumstempo der Vor-Corona-Zeit. Die kräftigen Außenhandelszahlen vom Juni lassen zudem den Schluss zu, dass der Schub bei den Exporten bislang noch keine nennenswerten Ermüdungserscheinungen zeigt. Der weltweite Bedarf an Masken und Tests, Computern und Möbeln ist offenbar weiterhin hoch.

 

Das dürfte sich jetzt allerdings in der zweiten Jahreshälfte ändern. Mit fortschreitenden Impferfolgen werden viele Konsumenten weltweit zunächst einmal ihren Nachholbedarf an Dienstleistungen decken wollen und die Nachfrage nach Industriegütern „Made in China“ dürfte sich zumindest vorübergehend abschwächen. Zusätzlich fallen die statistischen Basiseffekte dann vollständig aus der Berechnung des Vorjahreswachstums heraus, so dass die Raten zum Jahresende deutlich unter das 6%-Ziel der chinesischen Regierung fallen dürften. Dank der hohen Wachstumsraten vom Jahresanfang steht einer (Über-)Erfüllung des Wachstumsziels trotzdem wenig im Wege – wir rechnen für das Gesamtjahr 2021 weiterhin mit einem BIP-Anstieg von 8,8%.

 

-- Monika Boven


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