Bank von Japan springt auf den geldpolitischen Klima-Zug auf

In einem überraschenden Schachzug hat sich die Bank von Japan auf ihrer jüngsten Sitzung zur „Grünen Geldpolitik“ bekannt und ein geldpolitisches Programm zur Bekämpfung des Klimawandels in Aussicht gestellt. Die konkreten Details hierzu (Volumen, Bedingungen,…) folgen erst im Zuge des nächsten Treffens im Juli, doch bereits jetzt scheinen wichtige Rahmenbedingungen klar: Es soll um Anreize gehen, die Finanzinstitute verstärkt zu Krediten und Investitionen zur Bekämpfung des Klimawandels zu bewegen. Den Kauf „Grüner Bonds“ will Notenbankchef Kuroda zwar nicht grundsätzlich ausschließen, wir sehen hier aber keinen nennenswerten Spielraum. Im Fiskaljahr 2020 wurden grüne Bonds im Rekordvolumen von 10,6 Mrd. USD in Japan begeben, was das Land zum weltweit siebtgrößten Emittenten macht. Da der japanische Staat hierbei aber keine Rolle spielt und es an Markttiefe fehlt, scheint es auf absehbare Zeit wenig plausibel, dass grüne Bonds den Kauf von klassischen JGB-Staatsanleihen als Teil der Geldpolitik ergänzen. Ohnehin wendet sich die Bank von Japan seit einiger Zeit schleichend von ihren etablierten Staatsanleihekäufen ab und versucht stattdessen, die Kreditvergabe an die Unternehmen direkt zu fördern. Auch dies spricht dafür, dass Japan nicht den Weg von EZB oder Bank von England geht, und grüne Anleihen erwirbt. Wir stehen also ganz sicher nicht vor einem „grünen QE-Programm“, auch wenn Japans Währungshüter händeringend nach neuen Möglichkeiten der Liquiditätszufuhr suchen. Zudem wäre es höchst überraschend, wenn sich die BoJ aktiv in die Auswahl der zu fördernden Klimaprojekte einmischt. Sie dürfte bemüht sein, ihre Liquiditätsversorgung (soweit wie möglich) politisch neutral zu gestalten. Was zunächst nach einer echten Neuerung in Japans Geldpolitik klingt, ist letztlich also doch wieder einmal nur „alter Wein in neuen Schläuchen“.

-- Dorothea Huttanus


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