Wird eine zu geringe Impfbereitschaft zum Problem für den US-Dollar?

Die US-Impfkampagne hat in den ersten Monaten des Jahres einen beeindruckenden Start hingelegt und gehörte weltweit zu den Vorreitern. Bereits Ende März waren rund 30% der US-Bürgerinnen und -Bürger mindestens einmal geimpft. Mitte April wurden binnen einer Woche zeitweise Impfdosen im Umfang von 7% der US-Bevölkerung verabreicht. Mit Blick auf die Fortschritte bei den vollständig Geimpften waren die USA sogar erfolgreicher als Großbritannien. Umfangreiche Produktionskapazitäten und eine „America First“ Politik, die Ausfuhren von Impfdosen untersagte, machten es möglich.

 

 

In den vergangenen Wochen hat sich das Bild indes signifikant verändert. So gehen die internationalen Unterschiede bei den mindestens einmal Geimpften gemessen an der Größe der Bevölkerung spürbar zurück. Lag Deutschland, das stellvertretend für die gesamte Europäische Union herangezogen werden kann, bei den Erstimpfungen zeitweise fast 20%-Punkte hinter den USA, sind es aktuell nur noch rund 5%‑Punkte. Die Dynamik spricht zudem weiterhin für Deutschland, wurden hierzulande doch zuletzt knapp 3% der Bevölkerung erstmalig geimpft, während es in den USA nur rund 1% war. Nach vorherrschender Meinung haben Erstimpfungen bereits einen erheblichen Effekt mit einer Wirksamkeit von 60% bis 70% sowie einem gravierend niedrigeren Risiko eines Krankenhausaufenthalts.

 

 

 

 

Das Währungspaar Euro-Dollar hat sich von den unterschiedlich verlaufenden Impffortschritten – angesichts der Dominanz der Corona-Thematik an den Finanzmärkten und der potenziellen volkswirtschaftlichen Auswirkungen verständlicherweise – beeinflussen lassen. Der direkte Vergleich im ersten Quartal zwischen einer wie geschmiert laufenden US-Impfkampagne und einer, freundlich formuliert, durchwachsenen Startphase in der Europäischen Union hat der Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar bis Ende März erheblich zugesetzt. Zu Beginn des zweiten Quartals wendete sich das Blatt. Die Impfkampagne in der EU nahm Fahrt auf, wovon der Euro gegenüber der US-Devise profitieren konnte.

 

 

 

Impfstoffknappheit ist in den USA zwar weiterhin kein Thema, es scheint aber offensichtlich immer schwieriger zu werden, Bürgerinnen und Bürger für eine Impfung zu gewinnen. Dabei wurden diverse Anreize gesetzt, um Impfungen attraktiver zu machen, darunter Lotterien, Stipendien, Donuts, Freibier und Baseball-Tickets. Außerdem sind Impfungen für Menschen ab zwölf Jahren bereits seit Mitte Mai zugelassen sind. In der Europäischen Union übersteigt die Impfnachfrage hingegen weiterhin klar das Angebot. Erst vor wenigen Tagen wurden in Deutschland die Priorisierung aufgehoben und Betriebsärzte aktiv in die Kampagne eingebunden. 

 

 

 

Das Ziel der Impfkampagnen sollte es sein, Herdenimmunität zu erreichen. Aufgrund vorhandener Mutationen des Coronavirus könnte dies erst bei einer Durchimpfungsrate von mindestens 80% gemessen an der Bevölkerung der Fall sein. Sollte es Deutschland gelingen, das derzeitige Impftempo beizubehalten, könnte diese Schwelle im Herbst tatsächlich erreicht werden. Für die USA nehmen hingegen Befürchtungen zu, dass dieses Niveau mangels Impfbereitschaft der Bevölkerung überhaupt nicht erreicht wird. Die Gefahr einer möglichen „vierten Welle“ wäre demnach für die USA höher einzuschätzen als für Deutschland und die EU. Zwar dürfte sich erst in einigen Monaten zeigen, inwieweit sich die aktuelle Lage fortgesetzt hat. Aus den Augen verlieren sollte der Dollar dieses Risiko jedenfalls nicht.

Sören Hettler

 


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