Stimmungsaufschwung erfasst die Konsumenten in der EWU – Drohende Überraschung bei den Inflationserwartungen?

Die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern im Euro-Raum verbessert sich weiter. Der Indikator des Wirtschaftsvertrauens, den die EU-Kommission für das Währungsgebiet berechnet, ist im Mai erneut deutlich gestiegen. Das war nicht nur die vierte Verbesserung in Folge, er notiert mit 114,5 Punkten inzwischen über den Messwerten vom Jahresanfang 2020, also kurz vor Ausbruch der Corona-Krise. Auch der langfristige Durchschnitt von 100 Indexpunkten wird mittlerweile deutlich übertroffen. Während die Stimmungsmesszahl im Einzelhandel und bei den Dienstleistern das Vorkrisenniveau erreicht, liegt sie in der Industrie inzwischen sogar weit darüber.

 

Bemerkenswert ist aber auch, dass sich die Laune bei den privaten Haushalten inzwischen spürbar aufgehellt hat. Das Konsumentenvertrauen hat das tiefe Tal der Krise überwunden und erreichte zuletzt sogar Niveaus aus dem Jahr 2018. Unter den fünf größten Mitgliedsländern der EWU hat die Verbraucherstimmung in Frankreich, Italien und in den Niederlanden die Krise hinter sich gelassen. In Deutschland und in Spanien ist dagegen das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht, aber auch dort ist der Trend aufwärtsgerichtet.

 

Das aufgehellte Konsumklima stützt sich auf breite Verbesserungen in vielen Bereichen. Die Verbraucher schätzen das Risiko von Arbeitslosigkeit in den kommenden 12 Monaten inzwischen spürbar geringer ein, denn sie erwarten zeitgleich eine weitere wirtschaftliche Verbesserung der aktuellen Situation. Ihre gesamte finanzielle Situation befindet sich in einem stabilen Aufwärtstrend. Sie planen sogar die erhöhte Ersparnis aus dem letzten Jahr in den kommenden Monaten aufrechtzuerhalten, aber zeitgleich zudem größere Anschaffungen zu tätigen. Ob dieser Widerspruch klappt, bleibt abzuwarten. Bezüglich der Preisentwicklung stellen sich die Verbraucher auf höhere Preise ein, insgesamt wird das steigende Inflationsrisiko aber als moderat eingeschätzt. Einer kräftigen Konsumerholung im zweiten Halbjahr steht damit eigentlich nichts im Wege.

 

Die positiven Einschätzungen der Haushalte zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und zum Arbeitsmarkt decken sich mit den Einschätzungen aus Industrie, Einzelhandel Dienstleistungen und Bau. Eine gewisse Überraschung könnten die Haushalte jedoch bei ihren Inflationserwartungen und den entsprechenden Anschaffungen erleben, denn gerade die Industrie, aber auch der Handel und die Dienstleister planen in den kommenden Monaten ihre Preise zum Teil deutlich zu erhöhen. Dies könnte den Haushalten bei der weiteren Ersparnisbildung einen Strich durch die Rechnung machen.

 

-- Dr. Christoph Swonke

 


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