EZB sorgt sich um Kreditrisiken bei Banken

Die EZB zählt in ihrem jüngst veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht eine Vielzahl von Risiken auf, die allesamt das Potenzial bergen, die Finanzstabilität zu gefährden. Die zentrale Botschaft an die Finanzakteure lautet: wiegt euch nicht so sehr in Sicherheit, bereitet euch auf weiter steigende Belastungen frühzeitig vor, die nahe Zukunft wird, „diplomatisch“ formuliert, sehr herausfordernd. Während Klimarisiken, denen ein eigenes Kapitel in dem Report gewidmet wurde, vermutlich eher mittelfristig schlagend werden könnten, drohen steigende Zinsen oder auch deutlichere Aktienmarktkorrekturen bereits jetzt, Turbulenzen an den Kapitalmärkten auszulösen. Zudem haben am Gewerbeimmobilienmarkt Corona-bedingt zumindest bei einigen Segmenten bereits deutliche Preisrückgänge stattgefunden, die sich noch verschärfen könnten. Dagegen haben sich die Häusermärkte bislang noch sehr stabil entwickelt und konnten im vergangenen Jahr trotz der Rezession weitere Preissteigerungen erzielen. Damit hat sich aber auch das Risiko von Überbewertungen und entsprechenden Preiskorrekturen erhöht.

 

Aus unserer Sicht nach wie vor am bedeutsamsten und am schwersten zu greifen sind die Kreditrisiken der Banken beziehungsweise ihr Umgang mit diesen. Während sich die Banken bereits Ende letzten Jahres und auch bei Bekanntgabe ihrer Zahlen zum ersten Quartal 2021 optimistisch zeigen und eine relativ geringe Vorsorge in diesem Jahr in Aussicht stellen, deuten die Aussagen der EZB im Finanzstabilitätsbericht und auch im Supervision Newsletter darauf hin, dass die Kreditrisiken dabei zumindest bei einigen Banken nicht angemessen eingeschätzt werden. Die Liste der Mängel reicht dabei von fehlerhafter Einstufung von Krediten in die IFRS 9 Kategorien 2 und 3, mangelhafter Identifizierung von restrukturierten Krediten, fehlerhafter Schätzung von Ausfallwahrscheinlichkeiten aufgrund der Verwendung unpassender historischer Daten bis hin zu geringer Vorsorgebildung. Gerade angesichts der Tatsache, dass wir es hier mit einer atypischen Wirtschaftsentwicklung zu tun haben und nicht ewig andauernde massive staatliche Unterstützungsprogramme einen Anstieg der Kreditausfälle bislang verhindert, aber letztlich nur in die Zukunft verschoben haben, wäre aus Sicht von Anleiheinvestoren eine sehr konservative Vorgehensweise zu begrüßen. Da die Angemessenheit der Kreditvorsorgepolitik von außen kaum eingeschätzt werden kann und man auf die diesbezüglichen Angaben der Banken angewiesen ist, liefern die nun schon wiederholt geäußerten Rügen der EZB einen doch relativ besorgniserregenden Einblick. Auch wenn die in der Tat bestehenden Eigenkapitalpuffer, die allerdings im Zuge auslaufender regulatorischer Lockerungen und zunehmender Verschlechterung der Kreditqualität ein Stück weit sinken werden, ausreichen sollten, um auch einen stärker als von den Banken derzeit erwarteten Anstieg der Kreditausfälle auffangen zu können, drohen in der zweiten Jahreshälfte und auch im kommenden Jahr weitere Nachbesserungen bei den Kreditrückstellungen, die das derzeit noch relativ positive Sentiment gegenüber Banken belasten könnten.

 

-- Oliver Piquardt


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