Gewinnsprung bei US-Unternehmen

In dieser Woche werden 81 der S&P 500-Unternehmen über den Geschäftsverlauf im ersten Quartal berichten. Im S&P 500 wird erwartet, dass der Umsatz der Unternehmen um neun Prozent gestiegen ist. Die Nettogewinne dürften im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar um fast ein Drittel gestiegen sein. Das wäre der stärkste Gewinnanstieg seit dem 3. Quartal 2010.

 

Das hohe Gewinnwachstum ist vor allem auf die niedrige Basis im Vergleichszeitraum zurückzuführen. Bekanntlich ist die Wirtschaft im 1. Quartal 2020 durch das erstmalige Auftreten des Corona-Virus besonders stark eingebrochen. Unternehmen aus Branchen, die vor einem Jahr besonders gelitten haben (u.a. Banken, nicht-zyklische Konsumgüter, Werkstoffe/Materialien), wachsen nun schneller als der Markt. Dagegen dürften die Gewinne der Unternehmen aus den Sektoren Industrie und Energie gesunken sein.

 

Technologie- und Internettitel schultern weiterhin den Großteil der dynamischen Gewinnentwicklung. Hier erwarten wir eine Ausweitung der Unternehmensgewinne um ein Viertel. Das ist zwar ein etwas langsameres Wachstum als der Markt, aber Unternehmen wie Apple, Microsoft, Alphabet und Facebook sind in den US-Aktienindizes sehr hoch gewichtet und verleihen dem Index Gewinnstabilität.

 

Wir gehen davon aus, dass die Unternehmen auch in dieser Berichtssaison die Erwartungen übertreffen werden. Der Grund für diese Annahme ist die Mischung aus vorsichtiger Guidance der Unternehmen und der schnell voranschreitenden Impfkampagne der Amerikaner, verbunden mit der damit einhergehenden wirtschaftlichen Erholung.

 

Mit Blick auf die kommenden Quartale prognostizieren die Analysten für die verbleibenden drei Quartale des Jahres 2021 ein zweistelliges Gewinnwachstum, wobei das Gewinnwachstum im zweiten Quartal 2021 mit 55% seinen Höhepunkt erreichen wird.

Mit Spannung erwarten wir die Aussagen der Unternehmen zu Dividendenzahlungen und Aktienrückkaufprogrammen. Im vergangenen Geschäftsjahr hatten viele Unternehmen diese zurückgeschraubt, um in der Krise freie Liquidität im Unternehmen zu halten. Viele Unternehmen dürften nun wieder mehr Geld für Dividenden und Rückkäufe verwenden. Die Rückkehr zu höheren Dividendenzahlungen dürfte mehrere Jahre dauern und nicht schlagartig erfolgen.

 

Aus Sicht der Aktionäre ist der positive Ausblick auf höhere Dividenden und Aktienrückkäufe angesichts der gestiegenen Bewertung des US-Aktienmarktes zu begrüßen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2022 des S&P 500 liegt bei 20,5 und damit über dem Fünfjahresdurchschnitt. Allerdings hat das Kurs-Gewinn-Verhältnis in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung verloren, u.a. weil es sich bei Tech- und Internetwerten nicht auf das hohe strukturelle Wachstum und zusätzliche Gewinnchancen in neuen Geschäftsfeldern bezieht.

 

Aufgrund der positiven Mischung aus starker Gewinnerholung und freundlichem Börsenumfeld haben wir jüngst unsere Kursprognose für den S&P 500 von 4.100 auf 4.700 Punkte zum Jahresende angehoben.

 

-- Christian Kahler, Analyst


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