EZB stellt Beschleunigung der Anleihekäufe in Aussicht

Die Währungshüter haben in Aussicht gestellt, die Anleihekäufe im Rahmen des Emergency Purchase Programme (PEPP) im kommenden Quartal deutlich zu erhöhen. Damit will die Notenbank weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen sicherstellen. EZB-Präsidentin Lagarde hat sich allerdings hinsichtlich des angepeilten Ankaufvolumens bedeckt gehalten. Gegenwärtig bewegen sich die wöchentlichen Wertpapierkäufe im Bereich um 18 Mrd. Euro und damit deutlich unterhalb des bisherigen Maximums von 34,2 Mrd. Euro. Die Notenbankchefin hat hervorgehoben, dass der PEPP-Rahmen von gegenwärtig 1.850 Mrd. Euro nicht zwingend ausgeschöpft werden muss. Um günstige Finanzierungsbedingungen aufrecht zu erhalten, sei aber umgekehrt aber auch eine Erhöhung des Ankaufrahmens grundsätzlich vorstellbar. Im Hinblick auf die übrigen geldpolitischen Instrumente (APP / Leitzinsen) haben die Notenbank-Oberen im Zuge dieser Ratssitzung keine Anpassungen vorgenommen. Die EZB wird aber nicht müde zu betonen, dass nach wie vor das komplette geldpolitische Instrumentarium zum Einsatz kommen kann, sollte dies notwendig werden. In einer ersten Reaktion hat der Bund-Future merklichen Auftrieb erfahren.

Hinsichtlich der Konjunkturaussichten zeigt sich EZB-Chefin Lagarde zuversichtlich, dass die Wirtschaft im Jahresverlauf weiter an Tritt gewinnt. In diesem Zusammenhang hob die Notenbankchefin die Bedeutung des Covid19-Aufbauprogramms (NGEU) hervor und mahnte die europäischen Regierungen zu rascherem Handeln. Angesichts der Corona-Mutationen und den nach wie vor bestehenden Eindämmungsmaßnahmen sei der kurzfristige Konjunkturausblick weiterhin mit hoher Unsicherheit behaftet. Die Projektionen zur Konjunktur-Entwicklung wurden weitestgehend unverändert belassen. Die gesamteuropäische Teuerungsrate hat in den ersten beiden Monaten dieses Jahres merklichen Auftrieb erfahren. Angesichts eines auslaufenden Basiseffekts von Seiten der Energiepreise und weiterer Sonderfaktoren rechnet die EZB in den kommenden Monaten mit einer Annäherung der Inflation an die Zwei-Prozentmarke. Dies spiegelt sich auch in einer Aufwärtsrevision der Inflations-Projektionen für das laufende und kommende Jahr wider. Lagarde wies allerdings darauf hin, dass man durch diesen temporären Inflationsanstieg hindurchschauen werde. Der grundlegende Preisdruck in der Wirtschaft sei weiterhin schwach ausgeprägt.

Im Zuge der Pressekonferenz kam die Frage auf, warum die EZB angesichts des jüngsten Renditeanstieg nicht bereits die PEPP-Käufe forciert hat. Die Notenbankchefin erläuterte in diesem Zusammenhang, dass man unter anderem die Veröffentlichung der überarbeiteten BIP- und Inflationsprojektionen abwarten wollte. Letztlich haben sich die Währungshüter im Konsens auf die Forcierung des wöchentlichen Kaufvolumens verständigt, um ein günstige Finanzierungsumfeld sicherzustellen. Lagarde hat in diesem Zusammenhang ausgeführt, dass die Notenbank zu dessen Beurteilung zahlreiche Faktoren im Blick habe. Die Notenbank sei nicht nur auf die Entwicklung der längerfristigen Staatsanleiherenditen fokussiert, sondern habe beispielsweise auch die Entwicklung von Kreditkonditionen im Blick. Lagarde hob hervor, dass die Notenbank keine Zinskurvensteuerung (Yield Curve Control) betreibe.

In den kommenden Wochen werden die Marktakteure ihr Augenmerk besonders auf die Daten zu den wöchentlichen Anleihekäufen richten. Diese werden ein Gradmesser dafür sein, wie sehr sich die Notenbank einem weiteren Renditeanstieg entgegenstellt. Wir gehen davon aus, dass die Flexibilität des PEPP dazu geeignet ist, einen übermäßigen und unerwünschten Renditeanstieg zu vermeiden.

Christian Reicherter


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