EWU-Konjunktur: Kräftige Industrieerholung bringt weitere Aufhellung

Die drohende dritte Welle der Corona-Pandemie in Europa sorgt derzeit erneut für wachsende Verunsicherung. Die in den vergangenen Wochen vollzogenen Lockerungen in einigen Ländern könnten wieder rückgängig gemacht werden und eigentlich geplante Erleichterungen eventuell doch noch nicht kommen. Dessen ungeachtet verläuft die wirtschaftliche Erholung im Industriesektor ausgesprochen dynamisch. Weltweit steigen die Auftragszahlen und die Produktion wird kräftig ausgeweitet.

Der Aufschwung in der Industrie lässt auch unseren DZ BANK Euro-Indikator seine Erholung im März fortsetzen. Er steigt um 0,6 Prozent auf 99,9 Punkte – 1,0 Prozent höher als im März 2020.

Die Ergebnisse der aktuellen IHS-Markit-Umfrage unter den Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe, die in die Berechnung unseres Euro-Indikators eingehen, deuten sogar auf das stärkste Wachstum der EWU-Industrie seit drei Jahren hin. Produktion und Auftragseingang legten im abgelaufenen Monat demnach jeweils kräftig zu, die Exportaufträge stiegen sogar so stark wie seit Januar 2018 nicht mehr.

Die gute Stimmung in der Industrie zeigt sich auch im Anstieg der Produktionserwartungen für die kommenden zwölf Monate, die gemäß Umfrage der EU-Kommission im Februar immerhin auf den höchsten Wert seit mehr als zwei Jahren geklettert sind. Und auch die Messzahl für die Auftragslage im industriellen Sektor zeigt seit nunmehr acht Monaten ununterbrochen eine Verbesserung an.

Weniger eindeutig ist die Stimmungslage unter den Verbrauchern im Euro-Raum. Zwar gab es im Vergleich zum Vormonat eine leichte Aufhellung der Umfrageergebnisse, doch bleibt das Konsumklima insgesamt auf sehr gedämpften Niveau. Die weitgehende Schließung von Gaststätten, Einzelhandelsgeschäften und einigen persönlichen Dienstleistungen in vielen EWU-Ländern sorgt weiterhin für Verunsicherung und dämpft die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen.

Die Indikatoren von den Finanzmärkten, die wir als konjunkturelle Frühindikatoren in die Berechnung des Euro-Indikators einbeziehen, haben sich in den letzten Wochen ebenfalls positiv entwickelt. Die Aktienkurse sind, gemessen am MSCI-Index für den Euro-Raum, im Februar weiter angestiegen. Die Renditen auf langlaufende Staatsanleihen, hier speziell für die Bundesanleihe mit 10-jähriger Restlaufzeit, sind im Monatsdurchschnitt Februar auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr geklettert. Damit hat sich die Differenz zum Geldmarktzins, die über längere Zeit negativ war, nun erstmals seit der Vorkrisenzeit im Januar 2020 wieder deutlich in den positiven Bereich geschoben.

Dr. Michael Holstein


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