Inflationserwartungen treiben die Bundrenditen

In den zurückliegenden Tagen haben die zehnjährigen Bundrenditen erhebliche Aufwärtsdynamik entwickelt. So stiegen die Zehnjahresrenditen von einem Tief bei minus 0,60% Anfang des Jahres auf derzeit rund minus 0,36%. Die Bundkurve ist mit den höheren Renditen deutlich steiler geworden. Zwar können eine Vielzahl von Gründen für diese Bewegung verantwortlich gemacht werden. Hierzu zählen zum einen die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung, sollte sich der Impffortschritt beschleunigen und die sozialen Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden. Zum anderen scheint generell die Risikobereitschaft an den Märkten hoch zu sein, was sich auch in steigenden Aktienmarktkursen oder niedrigen Bundspreads der EWU-Länder widerspiegelt. Das heißeste Thema, das momentan am Rentenmarkt diskutiert wird, ist jedoch der erwartete Inflationsanstieg.

Tatsächlich dürften die Inflationsraten in der Eurozone in den kommenden Monaten in die Höhe klettern und sogar wieder die Zielmarke der EZB von 2% erreichen. Entsprechend dieser Erwartung kam es zu einem recht kräftigen Anstieg der Inflationserwartungen. Höhere Inflationsraten dürften unsers Erachtens jedoch temporärer Natur sein.

Trotz des zunehmenden Preisdrucks ist für die kommenden zwölf Monate nicht damit zu rechnen, dass die EZB deutlichere Korrekturen an ihrer Politik des ultra-lockeren Geldes vornehmen wird. Die Staatsanleihekäufe werden bis auf Weiteres wohl bis März 2022 fortgesetzt. Somit dürfte die EZB auch in den kommenden zwölf Monaten ihren Beitrag dazu leisten, dass die Renditen am Rentenmarkt auf niedrigen Niveaus verharren. Wir gehen davon aus, dass der Rentenmarkt den Inflationsanstieg hinreichend antizipiert hat, auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass die Renditen in den kommenden zwei bis drei Wochen nochmals moderat aufwärts tendieren. Da die Pandemie die Wirtschaft noch fest im Griff hat und die Inflationsraten nicht dauerhaft ansteigen, rechnen wir auf Sicht der kommenden Monate wieder mit leicht zurückläufigen zehnjährigen Bundrenditen.

-- Birgit Henseler


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