Rohöl geht steil

Bei Rohöl ist der Jahresstart mit einem Plus von 19 Prozent exzellent gelungen. In den letzten drei Monaten konnte das schwarze Gold um über 41 Prozent ansteigen und schnitt damit besser ab als viele andere Rohstoffe. Obwohl in den nächsten Wochen wegen der noch anhaltenden Lockdown-bedingten Nachfrageschwäche und den vorhandenen Risiken rund um das Thema Virusmutationen durchaus mit kleineren Preisrücksetzern zu rechnen ist, halten wir es dennoch wegen der verbesserten fundamentalen Ausgangslage für unwahrscheinlich, dass der Brent-Rohölpreis nochmal unter die Marke von 50 US-Dollar je Barrel taucht. Mit der jüngsten unilateralen Produktionskürzung Saudi-Arabiens bleibt der Rohölmarkt defizitär.

Die sich im Frühjahr erholende Nachfrage wird dann zunächst noch auf ein geringes Angebot treffen, was die globalen Lagerbestände als Folge abschmelzen lassen wird. Zudem halten wir es für sehr wahrscheinlich, dass Investoren zunehmend auf den „Reflation-Trade“ setzen, weil die Inflationserwartung in den USA seit Jahresbeginn auf über zwei Prozent gestiegen ist. Pensionskassen, deren zukünftige Auszahlungen zum Teil an das Preisniveau geknüpft sind, erhöhen vor diesem Hintergrund ihre Exposure in Rohöl, dem wichtigsten Inflationstreiber. Auch die ultraexpansive Geldpolitik, die zumindest langfristige Inflationsrisiken birgt, dürfte diese Tendenz noch unterstützen. Zur steigenden Inflation gesellt sich auch ein schwächelnder US-Dollar. Damit stehen die wichtigsten Zutaten für das „Reflation-Game“ bereit.

Es gilt festzuhalten, dass sich aktuell nahezu alle Rohstoffe von den Energieträgern über die Metalle bis hin zu den Agrarrohstoffen in einem Aufwärtstrend befinden und in den letzten drei Monaten durch die Bank zum Teil sehr stark gestiegen sind. Nachdem Biden nun auch im Kongress eine Mehrheit hat, steht ein 1,9 Billionen US-Dollar (9 Prozent des BIPs) schweres Corona-Konjunkturpaket im Raum. Die Rohstoffnachfrage und der Ölverbrauch werden dadurch noch einen zusätzlichen Schub erfahren und die schon gestiegenen Rohstoffpreise werden weiter anziehen können.

Wir gehen davon aus, dass der Rohölpreis erst mit der im Frühjahr einsetzenden Belebung der Weltwirtschaft weitere Schritte nach oben tätigen wird. Kurzfristig ist der Rohölpreis etwas überhitzt. Auf Sicht von 12 Monaten sollte er es sich aber über der Marke von 60 US-Dollar gemütlich machen. Sowohl die hohe Opec-Reservekapazität als auch die allmählich an den Markt zurückkommenden US-Barrel (Schieferöl) dürften größeren Preisanstiegen aber entgegenwirken.

-- Gabor Vogel


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