Wirtschaft im Euro-Raum sinkt im Schlussquartal 2020 nur leicht – trotz erneuter Lockdowns

Die wirtschaftlichen Folgen der zweiten Welle der Corona-Pandemie in Europa fielen bislang vergleichsweise glimpflich aus. Im vierten Quartal 2020 ist die Wirtschaftsleistung im Euro-Währungsgebiet um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken. Dies war weniger stark als im Vorfeld befürchtet wurde. Im Gesamtjahr 2020 nimmt damit das Bruttoinlandsprodukt gegenüber 2019 um 6,8 Prozent ab.

Auch die Zahlen aus den einzelnen Ländern, die ebenfalls schon eine erste Berechnung vorgelegt haben, überraschen positiv. In Frankreich ging das Bruttoinlandsprodukt „nur“ um 1,3 Prozent zurück und in Italien um zwei Prozent. Am Ende der Skala der vorläufigen Zahlen steht Österreich mit einem Minus von 4,3 Prozent. Leicht positive Ergebnisse wurden dagegen aus Deutschland mit einem Plus von 0,1 Prozent und Spanien mit sogar +0,4 Prozent vermeldet.

Insgesamt zeigen die Quartalsergebnisse, dass die meisten Länder im Herbst besser als erwartet durch die zweite Welle gekommen sind. Neben teils weniger strikter Lockdowns ist ein entscheidender Unterschied zum Frühjahr 2020 wohl die kräftig expandierende Industrieproduktion. Das verarbeitende Gewerbe ist aktuell kaum von den Eindämmungsmaßnahmen betroffen, während im letzten Frühjahr ganze Fabriken zeitweise geschlossen wurden. Die globale Industriekonjunktur hat sogar wieder Schwung aufgenommen, und auch die Länder des Euro-Raums werden davon mitgezogen. Dies zeigt sich auch am entsprechenden Einkaufsmanagerindex für die Industrie in der EWU, der schon seit August oberhalb der Marke von 50 Punkten liegt. Das ist völlig gegensätzlich zu den stark betroffenen Dienstleistungsbereichen.

Die Corona-Misere ist aber noch lange nicht ausgestanden. Die europäischen Länder verzeichnen noch immer hohe Infektionszahlen, die Impfungen laufen nur schleppend an und eine vollständige Lockerung der Einschränkungen dürfte sich noch hinziehen. Bis in das Frühjahr hinein erwarten wir ein weiteres Auf und Ab bei den Lockdowns. Daher ist auch im ersten Quartal 2021 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in der EWU zu rechnen.

Dr. Christoph Swonke


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